pitt2610 Hans-Peter Bautz

Er macht keine Unterschiede Ob arm oder reich bei ihm sind alle gleich Er wandelte schon auf dieser Erde seit Anbeginn der Zeit Gevatter Tod


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Gevatter Tod

— Gevatter Tod

Eine Erzählung von Pitt


Groß und mächtig wie ein Bär.

Ein wacher, doch gesenkter Blick.

Auf dem Kopf ein großer schwarzer Hut mit einer breiten Krempe.

Eingehüllt in einen grauen Mantel aus schwerem Tuch.

So reitet er durchs weite Land.

Hoch sitzend auf einem mächtigen Wisent, mit großen schwarzen Hörnern.

Er reitet seit Anbeginn der Zeit durch die Jahrhunderte und wird noch reiten, wenn die Erde sich einst nicht mehr dreht.

***

Der Wisent oder europäische Bison sind eine europäische Rinderart. Wisente kamen noch bis in das frühe Mittelalter in den Urwäldern von West-, Zentral- und Südosteuropa vor. Ihr Lebensraum sind gemäßigte Laub-, Nadel- und Mischwälder.

***

Wenn du ihn erblickst, zeige keine Furcht.

Lasse sie ihm nicht spüren.

Deine Zeit ist noch weit.

Doch seinen Namen kennst du gut.

Er ist gerecht zu jedermann.

Keinen Unterschied, ob arm, ob reich, bei ihm sind alle gleich.

Er lässt sich nicht bestechen.

Er nimmt kein Geld und Gold.

Ob jung, ob alt, es ist ihm egal, wann er dich besucht.

Jahr ein und Jahr aus bei jedem Wetter reitet er mit seinem Wisent durchs Land.

Gevatter Tod ist sein Name.

Und so trug es sich eines Tages zu, dass er einen armen Bauern mit einem Kind auf dem Arm traf.

Der Bauer suchte für sein dreizehntes Kind einen neuen Gevatter.

Und der Gevatter Tod nahm das Kind an Kindes statt zu sich und zog es groß.

Er lehrte ihm, immer im Leben den rechten Weg zu gehen, zu lernen und stets die Wahrheit zu sagen.

Der junge Mann nahm sich die Worte zu Herzen und er lernte fleißig und wurde ein berühmter Medicus.

Aber ein Versprechen nahm ihm der Gevatter noch ab, ja er verlangte es sogar.

Er verriet ihm sogar sein Geheimnis, mit der Anweisung, es niemandem zu erzählen.

Jörg, so hieß der junge Mann, versprach es und hörte dem Tod zu.

Wenn du mich am Kopfende deines Patienten stehen siehst, so vermagst du ihn zu heilen und er wird dir dankbar sein.

Stehe ich aber zu Füßen der armen Kreatur, so nimm es hin, denn seine Kerze des Lebens ist erloschen.

Versuche es nicht, ihn zu heilen und hintergehe mich niemals.

Solltest du es doch wagen, mich zu betrügen, so wirst du meinen Zorn zu spüren bekommen.

Jörg nahm sich die Worte zu Herzen und wurde ein berühmter Medicus über die Grenzen des Landes hinaus.

Und der Gevatter Tod zeigte ihm den Weg, den sein Patient zu gehen hatte.

So gingen die Jahre ins Land und Jörg verliebte sich in die Tochter eines reichen Bürgermeisters.

Der Bürgermeister hatte nichts gegen die Heirat der beiden auszusetzen.

Aber das Schicksal bestimmte es anders, da der Bürgermeister von einer Seuche befallen wurde.

Natürlich versuchte der berühmte Medicus, seinen angehenden Schwiegervater mit all seinem Können zu retten.

Auch sah Jörg seinen Freund den Tod am Fußende des Patienten stehen.

Nein, bitte nicht, lass ihm sein Leben, flehte er den Tod an.

Meine junge Frau braucht noch ihren Vater und er könnte noch ein paar gute Jahre vor sich haben.

Er forderte die Angestellten des Hauses auf, den schwerkranken Patienten einfach im Bett herumzudrehen.

Der Tod war erstaunt über die List, die Jörg anwandte, um ihn zu überlisten.

Das eine Mal werde ich es zulassen, dass du mich hintergangen hast, aber ein zweites Mal wirst du damit kein Glück mehr haben.

Der reiche Bürgermeister dankte Jörg dafür mit einer prächtigen Hochzeit.

Abermals gingen viele Jahre vorüber, und Jörg war glücklich mit seiner jungen Frau.

In der Zwischenzeit nahmen die beiden einen kleinen Jungen bei sich auf, da Jörgs Frau keine Kinder bekommen konnte.

Sie zogen ihn groß und liebten ihn von ganzem Herzen, so als wenn es ihr leiblicher Sohn wäre.

Die drei lebten ein friedliches und erfülltes Leben zusammen.

Auch der Gevatter Tod besuchte Jörg in regelmäßigen Abständen, um ihm zu zeigen, wie es um seinen jeweiligen Patienten stand.

Alles wäre so schön gewesen, wenn da nicht das grausame Schicksal wäre?

Es kennt kein Erbarmen und keine Namen und keine geliebten Menschen.

Jörg, unser Medicus, fiel seit langem auf, dass der Gesundheitszustand seiner Frau sich zusehends veränderte.

Sie war blass und hustete in einer Tour.

Es wollte einfach nicht besser werden, egal was er auch für Tinkturen und Mixturen zusammen braute.

Dann, plötzlich und unerwartet, brach sie nach dem Kirchgang auf dem Vorplatz zusammen.

Eiligst brachte man sie nach Hause und der Medicus kümmerte sich rührend um sie, achtete aber nicht auf seinen Freund, den Tod.

Denn dieser stand am Fußende ihres Krankenlagers.

Entsetzt schrie Jörg auf und drehte geschwind den Körper seiner Frau wieder falsch herum.

Legte ihre Beine am Kopfende des Bettes hoch und meinte zu seinem Freund, dass sie auf diese Art besser Luft bekäme.

Und wieder hatte er den Gevatter Tod ein zweites Mal überlistet.

Dieser war sehr zornig auf Jörg, deswegen nahm er ihn an die Hand und verschwand mit ihm in der Dunkelheit.

Es war eine ganze Weile vergangen, da erreichten sie einen Fluss und auf diesem schwammen Tausende von Kerzen, die unterschiedlich groß brannten.

Der Tod griff ins Wasser und holte zwei Kerzen heraus und meinte, dass die eine seiner Frau gehörte und die andere seine wäre.

Ja, so ist das Leben, sprach er und zeigte auf die fast abgebrannte Kerze.

Das ist die Kerze deiner Frau, ihr Wachs ist aufgebraucht und du kannst sie auch nicht mehr retten, meinte der Tod mit harten Worten.

Und was ist mit der anderen Kerze, fragte Jörg seinen Freund?

Die ist noch dreiviertel vorhanden, denn das ist dein Lebenslicht.

Und wieder wollte Jörg mit dem Gevatter Tod handeln.

Er meinte, dass er irgendeine unverbrauchte Kerze aus dem Fluss nehmen solle und die fast erloschene Kerze seiner Frau auf diese unverbrauchte stellen sollte.

Willst du das wirklich?

Fragte sein Freund den Tod ihn mit ernster Miene?

Ich weiß nicht, wem diese Kerze gehört, und es interessiert mich auch nicht, meinte Jörg ganz banal.

Der Tod schüttelte den Kopf und führte die Anweisung von Jörg aus.

Kurz darauf kamen die beiden am Haus des Medicus an und sahen, dass die Frau von Jörg in der Eingangstür stand, mit ihrem toten Kind auf dem Arm.

Jörg erschrak zu Tode und brüllte voller Verzweiflung.

Was habe ich getan, was habe ich getan?

Ich wollte den Tod überlisten, doch er hat mir eine bittere Lektion verpasst.

Ab diesem Tag hat man den Medicus Jörg nie mehr in der Öffentlichkeit gesehen.

Halb wahnsinnig vom Verlust seines Sohnes fristete er ein erbärmliches Leben im Nirgendwo.

In der Hoffnung, dass sein Freund Gevatter Tod irgendwann am Fußende seines Bettes steht und ihn mit auf eine unbekannte Reise nimmt.

Copyright©️2023 Pitt

29 de Setembro de 2023 às 20:59 0 Denunciar Insira Seguir história
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Conheça o autor

Hans-Peter Bautz Ich bin jetzt kurz vor dem Siebzigsten und habe vor 14 Jahren zwei Hirninfakte überlebt. Dadurch bin ich ans Schreiben gekommen ! Vor drei Jahren ein Taschenbuch veröffentlicht Titel: Poesie und Kurzgeschichten von Pitt Das war’s im Großen Ganzen Pitt😎

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