leaakilmister Lea Langenhan

,,Was... was ist das für ein seltsamer Ort?", fragte Chester seinen Bruder und trat einen Schritt zurück in der Hoffnung, nicht in den Abgrund zu fallen. ,,Ich weiß es nicht. Aber mein Instinkt sagt mir, dass wir nicht weiter gehen sollen." ,,Wir haben leider keine Wahl, Oliver." --- Der junge Paläontologe Professor Chester Ricks und sein Bruder Dr. Oliver Ricks erforschten gemeinsam den Dschungel Afrikas in der Hoffnung, seltene Kristalle und Bodenschätze zu finden. Anstelle dessen fanden sie etwas, an dessen Existenz sie nie geglaubt hätten.


Aventure Tout public.

#fantasy #gefahr #Dschungel #voodoo #abenteuer
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Völlig ermattet saß ich auf einem Stein, während Oliver vor mir auf und ab lief. Ich blickte zu ihm auf und kniff die Augen zusammen, um ihn trotz der im Zenit stehenden Sonne etwas erkennen zu können.

Mein Hemd war komplett durchnässt und mein Haaransatz war feucht. Das äquatorial feuchte Klima bringt den ein oder anderen Organismus ersichtlich an seine Grenzen.

,,Hast du der Station Status berichtet?", fragte mich Oliver. Ich schüttelte nur langsam den Kopf. Die Station kann mich mal, dachte ich und nahm mein Notizbuch heraus. Ich blätterte es durch, darunter befanden sich Protokolle zu Bodenproben, Skizzen von einigen Gesteinen, Tieren und Pflanzen, sowie Dokumentationen über bis uns derweil unbekannte Geschehnisse. Auch verfasste ich eigene Gedanken und Taten in diesem Buch. Es war mein Schatz und mein Erbe an die Nachwelt, es ist mein Lebenswerk. Auf jeder Forschungsreise verfasste ich ein ganzes Buch und stellte sie in mein Regal zu Hause in England, eine Wand geballtes Wissen, Neugier und Forschung. Mich verzückte der Gedanke, eines Tages entsprechend geehrt zu werden.

Ich spitzte meinen Stift mithilfe meines Messers und begann zu schreiben.


Samstag, 07.04.1934

Zeit: Mittag, 12:07 Uhr, Zentralafrikanische Zeit

Tag 23 der Forschungsreise

Gefundene Objekte: Fossil einer Urzeit-Schnecke, vemutlich ein Vorfahre der ‚Lissachatina Fulica' und einer Farnart, wahrscheinlich eine der ‚Marattiaceae'.


,,Hast du das Buch nicht langsam mal gefüllt?", fragte Oliver in einem ungeduldigen Ton. Er hielt nicht viel von Aufzeichnungen oder Protokollen. Er lebte im jetzt, immer dem Abenteuer auf den Fersen und war fast schon Adrenalin-süchtig.Oliver war kleiner als ich, hatte kurze dunkle Haare und einen perfekt getrimmten Drei-Tage-Bart, auf den er nichts kommen ließ. Er war muskulös und ziemlich aufbrausend.

,,Um genau zu sein, habe ich gerade mal 38 von 60 Seiten gefüllt. Nun, wir sind ja noch ein paar Tage unterwegs, genauer gesagt sieben Tage. Also um deine Frage konkret zu beantworten: nein.", murmelte ich, während ich mich weiterhin auf meine Aufzeichnungen konzentrierte.


Die Hitze war teilweise unerträglich, aber wir hielten durch. Wir kamen regelmäßig an Süßwasserquellen vorbei, an denen wir unsere Vorräte auffüllen und uns selber waschen konnte.


,,Wann wollen wir weiter gehen?", fragte mein Bruder, während er mit seiner Machete Farne kurz und klein schlug.

„Meinetwegen können wir weiter gehen. Hast du ein Ziel vor Augen?"

,,Ich will mal in eine Höhle, wir haben bis jetzt noch keine gesehen und ich bin einfach zu neugierig, um mir sowas entgehen zu lassen."

„Einverstanden.", stimmte ich ihm zu, klappte mein Buch zusammen, verstaute sämtliche Utensilien in meinem Rucksack und richtete mich auf.

Als ich dies tat, bemerkte ich Olivers beneidenden Blick. Ich überragte ihn um beinahe zwei Köpfe, was er nur missmutig hinnahm.


„Was vermisst du an England?", fragte er, während wir nach zwei Stunden Stille durch den Dschungel liefen.

,,Zivilisation, meine Wohnung, Tee, saubere Kleidung, beständiges Essen, fließendes Wasser, meinen Plattenspieler, meine Bücher, meine Freunde, meine Universität, meine Studenten,... die Liste ist lang, Bruder.", antwortete ich und verfiel beinahe in eine Art Nostalgie.

Ich vermisste es, abends vor meinem Kaminfeuer ein Buch zu lesen und meine Vorlesungen vorzubereiten, während ich mir einen eisgekühlten Scotch schmecken ließ. Der Duft meiner nach alten Bücher riechenden Wohnung hing mir auch nach zwei Monaten Abwesenheit noch in meiner Nase.

Aber über alledem vermisste ich ihre Stimme, ihre zarte, liebliche Stimme, welche sich wie flüssiges Gold durch meine Seele bahnte. Aber dies war durch ihr Ableben zur Unmöglichkeit geworden, ihre Stimme noch einmal zu vernehmen. Für diesen Luxus würde ich wahrlich alles geben.


„Interessant. Also ich vermisse an sich das Gleiche, wie du, nur kommen bei mir noch mein Auto, britische Mädchen und Bier hinzu. Nur, dass ich keine Vorlesungen vorbereiten muss, da ich nur Arzt bin, der auf solche exotische Expeditionen spezialisiert ist. Aber aus reinem Interesse und brennender Neugier helfe ich dir bei deinen Untersuchungen, ich kann doch meinen kleinen Bruder nicht alleine in die Wildnis schicken, um seinem unstillbaren Wissensdurst gerecht zu werden.", verkündete er grinsend, während er sich streckte.

Ich lachte kurz auf und nickte zustimmend.

Oliver war ein hervorragender Arzt, er war gebildet und studiert, nur weniger konventionell. Er hasste Praxen und Krankenhäuser, er arbeitete lieber im Freien. Er wurde daher stets bei Expeditionen, Auslandseinsätzen oder Reisen engagiert, um sein Können einzusetzen. Er vermochte es mit einfachsten, im weitesten Sinne chirurgischen Mitteln, einem angeschossenen Mann eine Kugel aus Oberschenkel zu entfernen, ohne dabei eine Entzündung oder sonstige Konsequenzen hervorzurufen. Seine Fähigkeiten waren außergewöhnlich und seine anatomischen Kenntnisse fast schon unheimlich. Er war der gebildetste Mensch, den ich kenne und er war stets mein Vorbild und mein bester Freund. Nur stand ihm seine Abenteuerlust oftmals gegenüber und er verlor häufig den Kampf.


Wir liefen eine Weile, stellten Proben sicher und ich schrieb einige Entdeckungen nieder, bis wir die Station erreichten. Es war ein Zeltlager bestehend aus fünf Leinenzelten. Das größte war das sogenannte Gruppenzelt, wo wir die Tagespläne besprachen, Proben lagerten und zusammen aßen. Im Zelt rechts daneben nächtigte unser „Boss" General Simmons mit seiner Frau Rosalind und deren Sohn Jonathan. General Simmons war ein Mann um die 60 mit einem eisernen Auftreten, strengen Augen und unzähligen Auszeichnungen auf seiner Jacke. Seine Gattin, Mrs. Simmons, war eine kleine, leicht rundliche, dennoch sehr herzliche Frau, welche für die Verpflegung zuständig war. Sie war um die 45 Jahre alt und vermochte es ihren eisigen Ehemann aufzutauen, ihre Liebe schien aufrichtig.

Jonathan war ein arroganter, verzogener, privilegierter Dummkopf, gebaut wie ein Berg und ausgebildeter Kämpfer, der sich stets auf seinen Vater berief, da er nichts selber zustande brachte.

Rechts neben diesem Zelt hatten Mr. und Mrs. Jacobs ihr Lager aufgeschlagen. Mrs. Jacobs war meist still und ich wusste nicht viel über sie, außer, dass sie Australierin war und sehr klug, sie war für die Präparate und die genaue Protokollierung der Funde zuständig und ihr Mann war ein Handwerker mit goldenen Händen, der alles reparierte und das Lager in Stand hielt. Mein Bruder Oliver hatte sein Zelt gegenüber, links von meinem. Das improvisierte Dorf war umgeben von Holzpfählen, welche Jonathan aufstellte und sich seit Wochen damit brüstete, was er für ein Überlebenskünstler sei. Eine Feuerstelle befand sich in der Mitte des Lagers mitsamt einigen Sitzmöglichkeiten.

Eine Süßwasserquelle war etwa 50 Fuß entfernt aufzufinden. Man muss zugeben, dass wir es recht nett hatten, bedachte man, dass wir im Herzen des afrikanischen Dschungels „lebten".


Mrs. Simmons begrüßte uns herzlich und merkte an, dass das Essen bald angerichtet sei. Wir bedankten uns und gingen in unsere Zelte.

Ich hatte eine Waschschüssel in meinem Zelt, an der ich mich kurz erfrischte und mir ein frisches Hemd überzog und ich fühlte mich fast wie neu geboren. Ich legte meine Tasche nieder und setzte mich kurz auf mein Bett. Gott, wie ich meine Wohnung vermisste, ich hätte alles für ein Schaumbad gegeben.

Plötzlich steckte Oliver seinen Kopf durch den Eingang.

,,Hopp, Hopp, hab Hunger, kleiner Mann.", trällerte er und grinste.

„Alles zu seiner Zeit, alter Kauz."

Ich stand auf und wir gingen gemeinsam ins Gruppenzelt. Mit Erstaunen musste ich feststellen, dass alle bereits am Tisch saßen und auf uns warteten.

„Ladies und Gentleman, ich erwarte einen Tagesbericht.", verkündete General Simmons.

„Die Schäden am Fotoapparat sind repariert und die Zündkerze vom Wagen sitzt auch wieder.", murmelte Mr. Jacobs und aß genüsslich seine Suppe.

„Alle Präparate von Professor Ricks sind chronologisch sortiert und alle Daten sind erfasst.", sagte Mrs. Jacobs.

„Mein Bruder und ich haben weitere Proben feststellen können, unteranderem eine Urzeit-Schnecke und wir sind der Überzeugung, bald eine Höhle besichtigen zu wollen, in der Hoffnung, Interessantes zu finden.", trug Oliver bei und der General blickte erfasst auf.

„Eine Höhle? Was hoffen Sie da zu finden? Einen Schatz?", fragte er zynisch und Jonathan lachte laut auf, es klang wie ein Gaul mit Asthma.

„Nein, General Simmons, nur ist es wahrscheinlicher, neue Fossilien in Höhlen zu finden, als auf offenem Boden.", merkte ich an und er nickte bedächtig.

„Also dann, morgen ist Sonntag, da werden wir einen Teufel tun, aber am Montag können Sie eine solche Höhle aufsuchen, unter der Bedingung, Jonathan mitzunehmen. Er ist ein ausgebildeter Kämpfer und wer weiß, was in solchen Höhlen lauert.", befahl der General und ich musste mich stark bemühen, mich nicht vor Missmut und Trotz zu verschlucken. Oliver bemerkte, dass ich erstarrte und stupste mich leicht an.

„Zu Befehl, General Simmons.", rief mein Bruder und wir aßen stumm weiter.


Warum musste dieser Nichtsnutz mit? Warum ausgerechnet er? Ich würde lieber mit meiner blinden und senilen Großmutter, Gott möge ihrer Seele gnädig sein, eine dreiwöchige Expedition unternehmen, als mit Jonathan auch nur zehn Minuten zu verbringen. Dieser Kerl glänzt vor Dummheit und er versteht die simpelsten Dinge nicht. Zum Beispiel fragte ich ihn letzte Woche, ob er mir sagen könne, wie spät es ist und er konnte es mir nicht sagen, weil er keine Uhren lesen konnte.

Jedoch bot er hervorragendes Analyse- und Gesprächsmaterial, was Oliver und ich ausnutzten.

Ich wusste genau, dass wir uns nur über ihn lustig machen würden und dass er es nicht verstehen würde, da selbst kleinste Rechenaufgaben im 100er Bereich zu hoch für ihn waren.


Ermattet lief ich in mein Zelt und legte mich auf mein Bett, eher mein sehr hartes Brett und ließ meinen Tag Revue passieren. Ich war erstaunt, dass ein bettlägeriges Kind aus Exeter zu einem Professor der Paläontologie wurde, welcher führender Experte auf seinem Gebiet und Expeditionist geworden war. Mein alter Ego hätte es wohl nie für möglich gehalten, einmal in Afrika umgeben von der wundervollsten und mysteriösesten Flora und Fauna zu schlafen und nicht rund um die Uhr von der Mutter umsorgt zu werden.

Ein wahres Wunder, dachte ich und ehe ich den Gedanken beendete, war ich auch schon eingeschlafen.



16 Septembre 2022 21:40:57 0 Rapport Incorporer Suivre l’histoire
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Lea Langenhan -20 -Geschichtenträumerin -Pferde, Hunde und Kühe machen glücklich!

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