andrea-hinze Andrea Hinze

Band 2 der Trilogie um Dan und Daisy. Die Welt ist gefährlich, man weiß nie was kommt. Man weiß es nie ... Doch solange unsere Freundschaft besteht, das Vertrauen zwischen uns groß und die Liebe stark ist, kann uns nichts geschehen. Große Veränderungen stehen an auf Embley Abbey. Die Hochzeitsglocken läuten und nicht nur ein Paar ebnet sich den Weg in eine gemeinsame Zukunft. Doch eine Gefahr, unterschwellig brodelnd und von niemanden bemerkt, bahnt sich an. Die Freunde werden gut zusammenhalten müssen, um diese Zeit zu überstehen.


Romance Suspense romantique Interdit aux moins de 18 ans. © by Andrea Hinze

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1. KAPITEL

Einen sicheren Freund erkennt man in einer unsicheren Lage.


Marcus Tullius Cicero


Daisy


"Daisy, kommst du mal!" schallt es von nebenan. Ich bin gerade dabei im Badezimmer meine Kosmetiktasche für Embley zu packen.
"Was ist denn?", frage ich und stecke den Kopf durch die geöffnete Tür.
"Du hast ja gar nichts zum anziehen.", echauffiert sich Anna und deutet mit dem Daumen hinter sich auf meinen geöffneten Kleiderschrank.
"Das kann gar nicht sein.", antworte ich und trete näher. Für einen Moment beschleicht mich tatsächlich die Sorge, jemand hätte den gesamten Inhalt meines Schrankes geklaut. Erleichtert stelle ich fest, dass es nicht der Fall ist und beginne sofort Anna meine Klamotten, die bisher immer als stilvoll und passend empfunden wurden, anzupreisen. "Da ... da ist doch ... beispielsweise das blaue Minikleid." Ich hebe den Bügel mit besagtem Kleid von der Stange. "Oder die Marlenehose und die Bluse hier." Ich greife mir die Klamotten.
Anna zieht die Augenbrauen hoch. Tippt anschließend mit den Worten "Langweilig. Langweilig, Langweilig." auf die Sachen und verschränkt trotzig die Arme vor der Brust. "Süße, du fährst in die Flitterwochen. Soll dein Mann Alpträume vor dem, was ihn in zwanzig Jahren erwartet kriegen?"
Erschrocken schnappe ich nach Luft. "Also ... mein Mann weiß ganz genau was ihn erwartet. Und nur damit du's weißt, er mag mich genau so wie ich bin.", bekräftige ich und hoffe, damit nicht ganz falsch zu liegen.
Anna grinst. "Ja, klar weiß er das. Er kennt dich ja auch schon ne Weile. Aber ..." Sie legt freundschaftlich einen Arm um mich, damit sie mich an sich drücken kann. "... du fliegst in die Flitterwochen," Letzteres betont sie mit einem anzüglichen Zwinkern. "Eine crazy sexy und vor allem unvergessliche Zeit. Hoffentlich deine einzigen Flitterwochen."
"Na, das hoffe ich auch!", bestätige ich.
"Eben. Stell dir vor! Nach der Hochzeit, du hast dich gerade umgezogen, um in die Flitterwochen aufzubrechen."
Ich nicke.
"Du schwebst die Treppe hinab und Dan fallen fast die Augen aus dem Kopf, weil du so heiß aussiehst, dass er sich kaum beherrschen kann dich nicht sofort flach zu legen.", schwärmt sie weiter und gestikuliert in der Luft herum.
"Hm, vielleicht kann er damit warten bis wir unter uns sind."
"Vielleicht, vielleicht auch nicht? Aber eines weiß ich ganz sicher ..."
"Was denn?"
"Das er sich denkt "Na toll, das kann ja heiter werden." wenn du da in deinen alten Klamotten aufkreuzt." erklärt sie und bekräftigt das gesagte mit einem Augenrollen. "Daisy, du bist dann eine verheiratete Frau. Deine Garderobe braucht ganz unbedingt ein Upgrade!"
"Meinst du?", frage ich verunsichert und lasse meinen Blick über meine Kleidung wandern. "Bisher haben mir meine Klamotten eigentlich ganz gut gefallen."
"Süße, sie sind auch toll! Aber eben nicht toll genug für die Flitterwochen." Wieder diese Betonung.
Dezent genervt verdrehe ich die Augen. "Vielen Dank auch, ich hab's begriffen. Und was jetzt?"
Statt einer Antwort greift Anna sich ihr Smartphone und wählt ohne mir mitzuteilen wen sie anruft eine Nummer. Ein Wort sagt sie in das Gerät als der andere Gesprächsteilnehmer abnimmt. "Notfall." Dann befiehlt sie noch, "Halbe Stunde Great Malborought Street!"
"Du willst zur Carnaby Street? Willst du allen Ernstes heute noch shoppen gehen?", stöhne ich und lasse mich auf das Bett fallen. Ich bin jetzt schon erschöpft, und dabei ist es erst Vormittag. Anna stopft ihr Handy in ihre Handtasche und zieht mich an den Hände wieder auf die Füße. "Notfall. Daisy, lass das packen sein! Wir müssen dir Urlaubsklamotten kaufen." Na, wenigstens sagt sie nicht schon wieder Flitterwochen.
"Und die finden wir dort?"
"Wo, wenn nicht dort, Schätzchen?", erwidert sie lachend und zieht mich aus meinem alten WG Zimmer.
"Wen hast du da gerade angerufen? Freddy, stimmt's?"
Sie nickt. "Klar doch. Und verrätst du mir jetzt endlich auch mal etwas?"
"Was denn?"., stöhne ich und ahne schon um was es sich handelt.
"Wohin soll's gehen?"
"Das bleibt unser kleines süßes Geheimnis?", grinse ich frech und gehe an ihr vorbei.


John fährt uns im Bentley bis zur Great Malborought Street wo Freddy bereits am Straßenrand auf uns wartet. Beim aussteigen entlasse ich John mit den Worten, "Sie brauchen nicht zu warten, John. Fahren Sie heim. Sicherlich müssen Sie doch auch noch packen. Für den Rückweg nehmen wir ein Taxi. Versprochen."
"Miss, Mister Edwards besteht darauf ..."
Ich unterbreche ihn. "Ich weiß, John. Aber ich sage Ihnen Sie dürfen fahren." Mit einem Lächeln steige ich aus ehe er noch etwas erwidern kann.
"Ihr Süßen!", jubelt Freddy und zieht uns in seine typische Umarmung als wir vor ihm auf dem Gehweg stehen.
"Meinst du er folgt uns trotzdem heimlich?", raunt Anna mir zu und deutet mit einem Nicken hinter sich auf den noch immer am Straßenrand stehenden Bentley.
Ich zucke die Schultern. "Keine Ahnung. Aber mehr, als ihm frei zu geben, kann ich auch nicht tun."
"Also ich hätte nichts dagegen von ihm verfolgt zu werden.", mischt Freddy sich ein und wirft John einen Handkuss zu als wir untergehakt am Wagen vorbei schlendern.
"Freddy!", rufe ich ihn zur Ordnung. "Du bist verlobt."
"Verlobt, ja. Tod, nein.", grinst er frech. "Also, was suchen wir?", wechselt er das Thema.
"Daisy braucht was für den Flug, für abends, für den Strand, für's Sightseeing und nicht zu vergessen, für das Bett.", erklärt Anna statt meiner und zählt es an den Fingern ab.
"Ähm ...", melde ich mich, doch ich werde mit vier energisch dreinblickenden Augen zum schweigen gebracht. "Süße, tut mir leid. Aber der Inhalt deines Kleiderschranks ist echt traurig!", erklärt meine beste Freundin und bedenkt mich mit einem mitleidigen Blick. An Freddy gewandt fährt sie fort, "Stell dir vor, Darling, sie wollte dieses uralte blaue Minikleid mitnehmen. Und eine Marlenehose."
Freddy greift sich an den Hals als stünde er kurz vor'm Schlaganfall und reißt entsetzt die Augen auf. "Ist nicht dein Ernst?", kreischt er und ich weiß nicht recht ob er damit Anna oder mich meint.
Verzweifelt sehe ich mich nach dem Bentley um. Ein wenig Unterstützung wäre jetzt schön. Doch der Wagen ist fort. Mir ist gar nicht aufgefallen, dass er an uns vorbeigefahren ist.
Als erstes von der großen Auswahl die diese Straße bietet steuern wir die markante Fassade von 'Liberty London' an.
"Echt jetzt?", stöhne ich schon wieder. "Findet ihr nicht, dass das ein wenig zu teuer sein könnte?"
"Quatsch!", grinst Anna. "Du bist die künftige Countess."
Das muss wohl als Erklärung genügen. Willig füge ich mich den beiden und lasse mich durch die von einem in dunkler Livree gekleideten Pförtner bewachte Tür ziehen.
Kaum eingetreten umfängt uns sofort der Charme und der Prunk des offen zur Schau getragenen Luxus. "Leute ... ich weiß nicht ...", wage ich einen erneuten Versuch den Rückzug anzutreten.
Doch ich stoße auf taube Ohren. Meine besten Freunde waren schon in den Tiefen des Geschäfts verschwunden und begannen zu stöbern.
"Daisy, los komm! Im Obergeschoss gibt's die Klamotten.", schreit Freddy beinahe und winkt mich zu sich zum Aufzug. Still in mich hinein jammernd gehe ich zu ihm. Anna wartet bereits in der Kabine und hält sie uns auf. Gemeinsam fahren wir in den ersten Stock wo sich die Damenabteilung befindet.
Kaum das sich die Aufzugstüren geöffnet haben, muss ich zu meiner Bestürzung feststellen, dass es mir hier ganz gut gefällt. Zwar trifft nicht jedes der bunten Kleidungsstücke die hier auf den Bügeln hängen meinen Geschmack, doch einiges ist schon dabei.
"Oh, sieh mal hier!", jubelt jemand. Es ist Anna, die mich zu sich winkt, gerade als ich mir einen Ständer mit Blusen vornehmen will.
"Sind die nicht wunderschön?" Ich betrachte die langen bunten Chiffonkleider und überlege ob sie sie für sich oder für mich schön findet. "Ähm ... ja klar, sie sind schön! Aber sind sie auch sexy?", entgegne ich zögernd und betaste den fließenden Stoff.
"Der Rückenausschnitt ist sexy." Sie nimmt einen der Bügel und hält ihn mir hin. Der Rückenausschnitt war mir noch gar nicht aufgefallen. "Ja.", sage ich gedehnt. "Stimmt. Es ist wirklich sexy!"
Anna meint schwärmerisch, "Ich sehe dich schon damit am Strand entlang flanieren."
"Ähm ... Strand."
Erstaunt hält sie inne und sieht mich an. "Was denn? Gibt's da etwa keinen Strand?"
Fast wäre ich drauf reingefallen und hätte ihr verraten, dass wir nach New York fliegen. Doch ich kann mich beherrschen. Außerdem fällt mir gerade noch rechtzeitig ein, dass es auch in New York einen Strand gibt. Oder zumindest in der Nähe der Stadt. "Doch klar gibt es den."
Sie sieht mich an, als würde sie mich durchschauen, murmelt dann aber, "Na also dann. Hier!" Sie drückt mir das Kleid an die Brust.
Unwillkürlich spähe ich nach der Größe. Es dürfte passen. Doch ehe ich mich in eine der Umkleidekabinen verkrümeln darf werde ich von ihr weiter gezogen. "Damit hättest du ein langes Kleid. Du brauchst auch noch ein sexy kurzes."
"Ich dachte, sexy hätten wir abgehakt?"
Dafür ernte ich einen strafenden Blick. "Wie lange seit ihr weg?"
"Vier Wochen. Wieso?"
"Du willst nicht ernsthaft vier Wochen lang ein und dasselbe tragen.", stöhnt sie theatralisch.
"Stell dir vor, dort gibt es auch Klamottenläden."
"Ach wirklich?", hakt sie mit listigem Blick nach.
Doch ich falle schon wieder nicht herein und tue als ob mich ein Stapel Shirts brennend interessieren würde.
"Daisy.", werde ich zurück beordert. "Hier." Meine nervige beste Freundin wedelt mit einem schwarzen Etwas in der Luft herum. Zögernd gehe ich auf sie zu.
"Das hier. Elegant und dennoch sexy. Dan wird die Spucke weg bleiben." Damit drückt sie mir auch diesen Fetzen in die Arme. Ich beschließe nichts mehr zu sagen und es stumm über mich ergehen zu lassen.
Wir finden noch zwei enge Röhrenjeans, einige Shirts, eine weiße fast durchsichtige Bluse mit langen Ärmeln und sogar Hotpants. Normalerweise trage ich sowas nicht. Aber um ihnen eine Freude zu machen, drücke ich mal ein Auge zu.
Freddy, der allein irgendwo im Laden umher gewandert war gesellt sich in genau dem richtigen Moment wieder zu uns, entdeckt unsere Errungenschaften und sagt, "Da hinten sind die Umkleiden." Seine Fingerzeig folgend gehen wir zu dritt in einen separaten Raum in dessen Mitte eine rote Chaiselongue steht. Lasziv lässt er sich darauf nieder und wartet der Dinge, da da folgen werden. "Lasst sehen was ihr ausgesucht habt!", verkündet er huldvoll.
Anna begleitet mich zu einer der Kabinen und hilft mir mich umzuziehen. Wie ein Model stolziere und drehe ich mich in dem runden Raum um Freddy und seine Chaiselongue herum. Er nickt anerkennend und pfeift sogar, als er mich in dem kleinen Schwarzen sieht anerkennend durch die Zähne. "Wow! Daisy, Darling, Danny wird ausflippen."
"Meinst du echt?", frage ich verunsichert und zupfe an mir herum. "Der Ruck ist etwas zu kurz, oder?"
Freddy steht ruckartig auf und stellt sich hinter mich, um sich gemeinsam mit mir im Spiegel vor uns betrachten zu können. "Blödsinn! Was redest du denn da?", echauffiert er sich und zwickt mich neckend in die Seite. "Du bist dann in den Flitterwochen. Das bedeutet ..." Er hält inne als er sieht, dass ich die Augen verdrehe. "... das bedeutet, dass du praktisch gar nichts anhaben dürftest, weil ihr gar nicht aus dem Bett kommen dürftet.", klärt er mich über die Gepflogenheiten frisch getrauten Paare auf.
Weil er ja so gut über dieses Thema bescheid weiß.
Dennoch verdrehe ich noch einmal die Augen. "Okay, okay. Ich nehme es ja. Aber nur ..." Beide jubeln und klatschen sich ab. "... damit ihr endlich Ruhe gebt."
"Das ist mir egal.", meint Freddy. "Hauptsache du läufst nicht wie eine Vogelscheuche in deinen Flitterwochen herum. Das könnte ich mir nie verzeihen."
"Na danke auch.", brumme ich und schleiche zurück in die Kabine.
Ich nehme auch die übrigen Kleidungsstücke und anschließend gehen wir geschlossen in die nächste Abteilung über, wo es Schuhe und Handtaschen zu kaufen gibt. "Das muss ja alles zusammenpassen.", belehrt mich Anna mit wichtigtuerischer Miene. "Nicht das die, wo auch immer es sein wird ... " Bei diesen Worten dreht sie sich zu mir um und sieht mir tief in die Augen. "... denken, dass Londoner die schlecht angezogensten Leute auf Erden sind."
Das wird ja immer besser. Bisher war ich tatsächlich davon ausgegangen, dass mein Stil einigermaßen cool und vorzeigbar ist.
Zur Antwort strecke ich ihr das es einer fünfjährigen würdig gewesen wäre die Zunge raus.
"Oh wow!", kreischt Freddy da plötzlich und zieht meine ganze Aufmerksamkeit auf sich. Wie von der Tarantel gestochen stürmt er auf einen Tisch mit hochhackigen Stilettos und Sandalen zu.
Anna und ich sehen uns an und grinsen. "Freddy, voll in seinem Element."
Wir folgen ihm und stellen uns neben ihn an den Tisch. Tatsächlich sehe die Schuhe cool aus, jedoch bezweifle ich, dass ich jemals sicher auf solch hohen Haken laufen könnte.
Meine Vermutung muss ich laut ausgesprochen haben, denn ich ernte schon wieder einen missbilligenden Blick von Freddy. "Diese Schuhe trägt man nur, wenn man nicht zu laufen braucht."
"Ja genau, oder wenn man gevögelt werden will.", ergänzt Anna. Nun bleibt mir die Spucke weg. "Ich kann nie wieder High Heels anschauen ohne an diesen Satz zu denken.", murmle ich.
"Süße ..." Sie legt mir einen Arm um die Schulter. "... diese Schuhe sollen nur schön aussehen und dich gut aussehen lassen. Mehr nicht. Und du brauchst gar nicht so echauffiert zu schauen! Du kennst mich doch. Brain konnte nie genug von mir bekommen wenn ich so was an hatte. Er bestand darauf, dass ich sie beim Sex anbehielt."
"Danke für eine neue Episode Kopfkino.", brumme ich und stelle den Schuh zurück, den ich, ohne es zu bemerken, andächtig in die Hand genommen hatte.
"Nix da!", verkündet sie und reißt den Schuh an sich. "Die passen prima zu dem langen Kleid. Die nimmst du."
"Hast du dir mal das Preisschild angesehen?", rufe ich entsetzt. "Die kosten 400 Pfund."
Doch statt beeindruckt zu sein und sie wieder weg zu stellen, zuckt sie nur unbeeindruckt die Schultern und sagt etwas wie, "Man muss auch mal Opfer bringen."
Anna rauscht mit dem Schuh ab um eine junge Verkäuferin in Beschlag zu nehmen. Kurz darauf kehrt diese mit einem creme farbenen Karton aus den Tiefen des Geschäftes zurück. "Hier. Bitte sehr!", sagt sie und reicht mir den Karton. "Wenn Sie sonst noch einen Wunsch haben, wenden Sie sich an mich!" Damit entfernt sie sich ein paar Schritte und bleibt abwartend an einer Wand im Hintergrund stehen. Sicher hat sie den Klamottenberg gesehen und wittert einen reichen Fang. Widerstrebend probiere ich die Schuhe in der richtigen Größe an und sie passen perfekt. Staunend, wie sie mir optisch schlanke Beine zaubern gehe ich ein paar Schritte auf dem hölzernen Parkett auf und ab und betrachte meine Füße im bodentiefen Spiegel. "Sie sind wirklich schön!", lobe ich leise.
"Schön?", ruft Anna. "Wunderschön! Die nehmen wir!" Letzteres war an die Verkäuferin gerichtet die sich in Habachtstellung bereit hält. "Aber natürlich.", flötet sie.
"Und noch ein flaches Paar.", mischt sich Freddy ein. "Sie braucht auch noch ein flaches Paar, falls sie wandern gehen oder so."
"Wandern?", frage ich verwirrt. "Wo soll man denn in Ne..." Gerade noch rechtzeitig konnte ich mich selbst bremsen.
"Ne?", hakt Anna nach.
"Neuseeland?", versucht es Freddy.
"Neufundland?", meint Anna.
Sie schüttle lachend den Kopf.
"Nepal?" Freddy und Anna klatschen sich lachend ab.
"Ich sage nichts.", antworte ich nur lachend.
"Schade. Aber sei's drum. Du brauchst flache Schuhe.", verkündet er und winkt lässig ab.
"Okay.", stimme ich zu damit dieses Schauspiel hier endlich ein Ende findet.
Tatsächlich finden wir ein Paar Ballerinas und sogar noch eine neue Handtasche für mich. Alles hübsch aufeinander abgestimmt."
Übereinstimmend mit meinem Kontostand war allerdings nicht gerade die Rechnung die ich an der Kasse zu bezahlen hatte. "Aber sei's drum. Ich heirate nur einmal.", denke ich mir.
Kaum aus der Tür getreten pralle ich fast mit John zusammen der abwartend neben dem Eingang gestanden haben muss. Er macht einen Schritt zurück und streckt die Arme aus um mir meine Einkaufstaschen abzunehmen.
"Aber was ... was machen Sie denn hier?", stammle ich verwundert. "Ich hatte Ihnen doch frei gegeben."
"Seien Sie froh, dass ich nicht brav gewesen bin. Sonst müssten Sie jetzt die Taschen mitschleppen.", grinst er frech. Zwar kann ich seine Augen unter der dunklen Sonnenbrille nicht sehen, doch ich weiß, dass sie gefährlich sexy blitzen.
"Das ist ja ..."
"Wirklich sehr nett von Ihnen! Und so umsichtig.", fährt mir Freddy dazwischen, zwinkert John aufreizend zu und reißt mir dabei die Taschen aus der Hand. Anschließend drückt er sie sofort John in die Arme und hakt sich bei mir unter. "Ich muss schon sagen, Daisy Darling, dein Chauffeur ist Gold wert." Mit einem lasziven Zwinkern über seine Schulter zieht er mich den Gehweg entlang weiter.
"Was er jetzt wohl macht?", fragt Anna leise als sie uns eingeholt hat.
"Na die Taschen ins Auto bringen.", meint Freddy.
"Ja, aber danach."
"Ich hoffe er fährt endlich heim.", murmle ich leise.
"Und ich wette er tut es nicht. Sicherlich folgt er uns unauffällig.", antwortet Freddy und sieht sich noch einmal nach John um. Ich tue es ihm nach, doch von meinem Chauffeur oder dem Bentley ist nichts zu sehen.
"Na, sicherlich macht er es nicht auffällig.", meint Anna. "Er scheint gut ausgebildet zu sein. Er ist unauffällig wie ein Spion. Oder habt ihr bemerkt, dass er uns zu Liberty gefolgt ist?"
Das können wir nur verneinen.
"Ja, er ist ein richtiger James Bond.", lacht mein bester Freund. "Sexy genug dafür ist er ja."
"Hallo. Ihr redet da über meinen Angestellten." Ich wedle mit der Hand in der Luft herum.
"Genau so ist es, Süße. Wo bitte schön steht denn geschrieben, dass man seine Angestellten nicht heiß finden darf?", grinst Anna frech.
"Wenn ich erst mal in Silsoe wohne, lasse ich mir einen Pool bauen, nur damit ich einen Poolboy einstellen kann. Den würde ich dann persönlich aussuchen.", spinnt Freddy albern herum.
"Oh cool! Dann komm ich auch vorbei und flirte mit ihm. Wer weiß was geht?", steigt Anna auf den Zug mit ein.
"Sorry, Schätzchen. Er wird nur auf Männer stehen. Das wird ein Einstellungskriterium.", lacht Freddy schrill und wirft den Kopf zurück.
Anna zieht einen theatralischen Schmollmund.
"Euch ist echt nicht mehr zu helfen.", stöhne ich und werfe die Arme in die Luft. "Hört auf solchen Blödsinn zu quatschen und sagt mir lieber was wir sonst noch einkaufen wollen? Was braucht, eurer Meinung nach, eine Braut sonst noch für ihre Flitterwochen Garderobe?"
"Sie hat Flitterwochen gesagt.", johlt Anna und hält sich den Bauch vor Lachen.
"Ha ha."
"Sei nicht so verklemmt, Darling!", befiehlt Freddy und hakt sich wieder bei mir unter. "Hast du schon einen Bikini?"
"Ähm."
"Und Nachtwäsche. Und wie steht es mit deiner Unterwäsche?"
"Fallst du damit meinst, ob ich welche besitze. Ja, in der Tat, ich habe eine ganze Schublade voll. Danke.", brumme ich beleidigt.
"Quatsch. Ich meine was trägst du zur Hochzeit? Und die ... Tage danach?" Da hat sie gerade nochmal die Kurve gekriegt.
"Für den Hochzeitstag selbst habe ich schon was. Das hat mir Sybill ausgesucht im Brautmodengeschäft. Und ansonsten ..."
"Hast du auch nur deine ganze alte Wäsche.", spricht sie aus was mir auf der Zunge liegt. "Du willst doch sicher Dan mit was Neuem überraschen!"
Ich nicke. "Okay. Du hast recht. ich brauche wirklich mal was Neues. Also zu einem Dessous Geschäft!"
Arm in Arm gehen wir zum nächstbesten Dessous Laden der uns begegnet.
Mehr oder weniger suchen die beiden für mich das aus, was sie meinen was Dan um den Verstand bringen um mich wiederum mich selbst sexy fühlen lässt.
Auch in diesem Laden lasse ich einiges von meinem hart ersparten Geld.
Beim Verlassen des Geschäfts befürchte ich schon, wieder mit John zusammen zu prallen, doch diesmal ist er nicht da. Endlich hat er auf mich gehört und ist nach Hause zum packen gefahren.
Fröhlich frage ich meine Freunde, ob sie noch Lust haben einfach so bummeln zu gehen. Sie hatten Lust und so schlenderten wir weiter durch das bunte und vor allem laute Treiben der Carnaby Street. In einem etwas abgehalfterten Laden für Merchandising erstehe ich noch zwei Bandshirts von den Ramones und Sting. "Was willst du denn damit?", ruft Freddy verächtlich als er mich mit den T-Shirts an der Kasse stehen sieht.
"Zum schlafen." Ich zucke nichtsahnend mit den Schultern.
"Bist du verrückt?", keucht er und beinahe rauft er sich die Haare. Gerade noch so besinnt er sich wo er sich befindet und reckt die Hände stattdessen wie zum beten ineinander verschlungen gen Himmel.
"Nun mach nicht so ein Fass auf, Freddy. Mädels tragen sowas eben zum schlafen.", brumme ich und sehe mich verstohlen um. Sein Divenhafter Auftritt hat uns schon einige neugierige Blicke beschert.
"Ja, kleine Mädchen auf der High School. Aber doch keine verheiratete Frau.", brüllt er beinahe und will mir die Shirts aus der Hand reizen. Doch ich halte sie eisern fest. "Siehst ein, Lloyd!", zische ich. "Ich kaufe sie und trage sie wann es mir passt." Beim Anblick seines entsetzen Gesichtsausdrucks füge ich beschwichtigend hinzu. "Aber ich verspreche dir, ich trage sie nicht auf der Hochzeitsreise."
Freddy nickt und dreht sich auf dem Absatz um um das Geschäft zu verlassen. Es wirkt ganz so, als könne er die Schmach solch einen Mist zu kaufen körperlich nicht ertragen.
In einem kleinen Bistro bestellen wir uns ein verfrühtes Abendessen und lachen über die miteinander verbrachte Zeit.
Kaum das wir bezahlt und uns aufbruchbereit gemacht haben, steht John wieder neben dem kleinen runden Tisch und greift sich ohne zu fragen meine Tüten.
"Hey.", schreie ich, weil ich denke das ein Dieb sich an meinem Hab und Gut zu schaffen machen will. Als ich sehe das es er ist, habe ich tatsächlich den Eindruck, dass er mir stets unauffällig folgt. Ganz so wie ein Schatten. Oder ganz so wie ein Bodyguard.
"Ich war noch in der Nähe.", meint er leichthin und zwinkert mir zu.
"Und darüber sind wir sehr froh!", flötet Freddy. Anna stimmt ihm nickend zu.
"Der Wagen steht gleich um die Ecke.", verkündet John ohne auf Freddys Anzüglichkeiten einzugehen. Wir folgen ihm und wieder einmal wundere ich mich, wie er fertig bringt und in einer Stadt wie London stets einen Parkplatz groß genug das er meinen Bentley aufnehmen kann zu finden.
"Und, wohin soll's nun gehen?", fragt John nachdem wir alle im Fond platz genommen haben.
Fragend sehe ich meine Freunde an. "Keine Ahnung? Was meint ihr?"
Freddy klatscht in die Hände. "Ich weiß was. Wie wäre es, wenn wir einen vorgezogenen Junggesellenabschied machen?"
"Eine Woche vorher?", staune ich. "Geht das denn?"
"Gibt's dafür Regeln?", stellt er die Gegenfrage.
Die gab es wohl nicht, und so beschließen wir uns zuerst einmal ordentlich durchkneten zu lassen und dann tiefen entspannt in einen Club zu gehen.
Freddy gibt John die Anweisung und ich ergänze um den Befehl, dass John nun aber wirklich Feierabend machen sollte.
Doch er stellt sich, wieder einmal, stur und meint, "Mister Edwards besteht darauf, dass ich Sie überall hinfahre wo Sie es wünschen."
"Ja, aber ich kann doch nicht von Ihnen verlangen, dass Sie stundenlang vor einem Beautysalon oder der Bar warten.", entgegne ich und greife mir mein Handy aus der Handtasche. Ich würde Dan ein paar Takte erzählen. So kann man mit einem Menschen doch nicht umspringen. Wir haben 2020 und nicht 1920.
Es klingelt und kurz darauf nimmt er ab. Es ist laut. "Wo bist du?", ist daher die erste Frage die ich ihm stelle.
"Im Pub. Wieso? Was gibt's, Darling?", entgegnet er gut gelaunt.
"Im Pub? Hattest du früher Schluss?"
"Jup. Es lief gut im Court. Ich hab gewonnen.", verkündet er stolz.
"Gratuliere.", murmle ich. "Und jetzt bist du im Pub deinen Erfolg feiern?"
"So was in der Art."
"Aha."
"Ben ist bei mir. Wir trinken nur was. Wo bist du? Kommst du bald nach Hause?"
"Ach so." Erleichtert stoße ich die unwillkürlich angehaltene Luft aus. "Nein, deswegen rufe ich ja an. Freddy, Anna und ich fahren jetzt ins Spa und nachher ebenfalls noch was trinken."
"Cool! Viel Spaß!", lacht er und ich habe den Eindruck, dass er das Gespräch beenden will.
"Moment noch!", bitte ich daher rasch.
"Ja?"
"Es geht um John." Verstohlen werfe ich dem Fahrer einen Blick zu. Ob er lauscht? Allerdings ist es in dem begrenzten Raum eines Fahrzeugs nicht gerade leicht nicht zu lauschen.
"Was ist mit ihm?", lacht Dan und pfeift plötzlich. Sie sie wirklich nur im Pub? Was für einen Grund gibt es in einem Pub zum pfeifen?
"Folgendes, ich schicke ihn andauernd nach Hause. Er muss doch auch packen für die Reise. Aber er geht einfach nicht.", empöre ich mich.
"Gut so. Der Mann weiß eben wofür ich ihn bezahle." Das hilft mir kein bisschen weiter.
"Dan, der Mann braucht doch auch seinen Feierabend." Freddy verdreht die Augen. "Wir können doch nicht von ihm verlangen wer weiß wie lange vor einem Laden herumzustehen und auf mich zu warten. Das geht doch nicht!"
"Und warum nicht? Wenn es doch das ist wofür er bezahlt wird.", entgegnet er lapidar.
"Na, weil man so nicht mit Menschen umspringt, Schatz." Warum war er nur so stur?
Dan scheint zu spüren, dass er mir eine bessere Erklärung schuldig ist. Er senkt die Stimme und sagt, "Daisy, ich fühle mich wohler, wenn er in deiner Nähe ist. Dann bin ich beruhigter."
"Aber er ist nur mein Fahrer. Klar war es vorhin praktisch ihn dabei zu haben. Wegen der Einkaufstaschen und so. Aber für den Rückweg heute Nacht kann ich mir doch auch ein Taxi nehmen.", wage ich zu widersprechen.
"Kommt nicht in Frage.", erklärt er in einem Ton der keine Widerrede duldet.
"Warum nicht?", halte ich dagegen.
"Weil ich dich dann beschützt weiß."
"Wenn es dir darum geht, dass ich nachts nicht allein in der Stadt herumlaufen soll. Anna und Freddy sind bei mir."
"Toll. Eine zierliche Brünette und ein schwules Model. Die beiden können dich gut vor Modesünden aber nicht vor bösen Jungs beschützen.", lacht Dan. Etwas gekränkt ziehe ich einen Schmollmund.
"Jetzt bist du beleidigt oder?", haucht Dan ins Telefon. "Sicherlich ziehst du jetzt eine Schnute." Er atmet geräuschvoll aus. "Wie gern hätte ich es, dass du jetzt in meinen Armen liegst und ich dir den trotzigen Gesichtsausdruck weg küssen könnte!"
Eine wohlige Wärme breitet sich von meinem Bauch aus. "Komm nachher in den Club und ich lege extra für dich noch einmal diesen Gesichtsausdruck auf.", hauche ich damit die anderen mich nicht hören können.
"Ich hab einen anderen Vorschlag. Komm nach Hause und lass mich dir zeigen was ich so drauf habe damit du dich entspannst.", schlägt er mit seiner sexy rauen Stimme vor.
Oh ja. Ich will!
"Das geht nicht. Du bist doch mit Ben unterwegs und ich mit meinen Mädels."
"Schade.", brummt er.
"Nicht traurig sein! Bald hast du mich vier ganze Wochen allein für dich.", flüstere ich.
"Und darauf freu ich mich schon!" Das anzügliche Grinsen kann ich förmlich vor mir sehen.
"Okay.", sage ich und setze zu meinem Endschlag an, "Und John schicke ich jetzt gleich nach Hause. Nur damit du's weißt. Sehe ich ihn nachher vor dem Club stehen, lass ich dich in der Hochzeitsnacht nicht ran." Mit diesen Worten lege ich auf, ehe er noch etwas erwidern kann. Eigentlich hätte ich gedacht, dass er sofort zurück ruft, doch mein Handy bleibt stumm. Stattdessen meldet ein anderes Smartphone irgendwo in Auto den Eingang einer Nachricht.


Dan


"Hey Kumpel, hast du Zeit um noch einen Absacker trinken zu gehen?", frage ich Ben der in seinem Zimmer an dem Schreibtisch sitzt und schon wieder oder immer noch am arbeiten ist. Ich habe gute Laune. Vor Gericht hat meine Kanzlei heute einen wichtigen Fall gewonnen und ich bin damit die Kariereleiter ein gutes Stück nach oben geklettert. Das und das ich in einer Woche heirate muss gefeiert werden.!
Überrascht, als hätte ich ihn aus einer tiefen Trance gerissen sieht er auf und fragt, "Was?".
Ich grinse, gehe in sein Zimmer und sage, "Ich hab gefragt ob du mit mir was trinken gehen willst?"
"Eigentlich ..." Er deutet mit dem Daumen neben sich auf den Zeichentisch.
"Ich will ja nicht ewig da sitzen. Aber ..." Ich stelle mich neben ihn und sehe mir an, an was er gerade arbeitet. Ein begrüntes Hochhaus. "... ich will gern sowas wie einen ... einen letzen Abend mit meinem Kumpel verbringen."
"Letzter Abend?", hakt er verwundert nach. "Ich dachte du heiratest und stirbst nicht? Du hast doch keine unheilbare Krankheit oder?"
"Natürlich nicht.", echauffiere ich mich. "Komm, schwing deinen Arsch hoch und geh mit mir ins Pub!", stöhne ich.
"Na gut. Bevor ich mich schlagen lasse. Aber wirklich nicht so lang. Ich muss das hier noch fertig kriegen."
"Ist in Ordnung. Du kannst mir ja davon erzählen! Dann höre ich wenigstens mal was anderes als ewige Hochzeitsthema.", lache ich und klopfe meinem Kumpel auf die Schulter.
"Was denn, schon die Nase voll davon?", lacht nun auch er.
"Quatsch. Aber es geht nur noch um Blumen, um Torten und die Menüfolge. Dass interessiert mich nicht."
"Hoffentlich interessiert dich die Frau die du nächste Woche ehelichst noch!", brummt er.
"Wie kannst du sowas sagen? Daisy ist mein ein und alles. Aber dieses ganze Tamtam. Das nervt!", stöhne ich und fahre mir mit der Hand durch das Haar.
Unten im Erdgeschoss greifen wir uns die Jacken und verlassen das Haus. Ansonsten ist niemand zu Hause. Daisy und Anna sind mit Freddy unterwegs. Keine Ahnung was sie treiben? John hatte mir vorhin nur eine kurze SMS geschickt in der er mir mitgeteilt hat, dass meine Frau in der Carnaby Street einkaufen geht.


Feierabend. Dementsprechend voll war es im Pub. Dennoch schaffen wir es zwei leere Plätze an einem der Tische zu ergattern. Die beiden Kerle neben uns scheinen ebenfalls etwas feiern zu können, nach dem Grad ihrer Betrunkenheit zu urteilen.
Kaum das ich mit zwei Bier und zwei Scotch vom Tresen zurück gekehrt bin klingelt mein Handy in der Hosentasche. Ich stelle die Gläser ab und setze mich. Es ist Daisy. "Wo bist du?", fragt sie geradeheraus.
"Im Pub. Wieso? Was gibt's, Darling?", frage ich gut gelaunt und beschließe über die nicht erfolgte Begrüßung hinweg zu sehen.
"Im Pub? Hattest du früher Schluss?"
"Jup. Es lief gut im Court. Ich hab gewonnen.", verkünde ich mit einem gewissen Stolz in der Stimme.
"Gratuliere.", murmelt sie. Was hat sie denn? Warum klingt sie so seltsam? "Und jetzt bist du im Pub deinen Erfolg feiern?"
"So was in der Art.", entgegne ich vorsichtig. Eine Frau, besonders eine in den Tagen vor der eigenen Hochzeit sind mit Samthandschuhen anzufassen.
"Aha.", brummt sie beleidigt. Was hat sie denn? Mit einem Mal kommt mir der Gedanke, dass sie vermuten könnte, dass ich ihr fremd gehe wenn ich allein ins Pub gehe.
"Ben ist bei mir. Wir trinken nur was. Wo bist du? Kommst du bald nach Hause?", sage ich um die Stimmung aufzulockern.
"Ach so." Erleichtert atmet sie aus. Tatsächlich, sie macht sich Sorgen ich könnte ihr fremd gehen. Etwas fröhlicher fährt sie fort, "Nein, deswegen rufe ich ja an. Freddy, Anna und ich fahren jetzt ins Spa und nachher ebenfalls noch was trinken."
Das klingt doch nach einem tollen Abendprogramm. Ich hätte da zwar auch etwas anderes, aber ein zwangloser Abend mit Freunden wird sie entspannen. "Cool! Viel Spaß!", erwidere ich daher fröhlich.
"Moment noch!", bitte ich daher rasch.
"Ja?" Ben neben mir starrt auf das Display seines Handys. Ich lasse meinen Blick schweifen.
"Es geht um John.", sagt Daisy in mein Ohr.
"Was ist mit ihm?", frage ich abwesend. An unserem Tisch schlendern zwei Blondinen vorbei. Ihre Körper können getrost als göttlich bezeichnet werden. Ein so genannter Gott in Weiß dürfte nachgeholfen haben.
Einer der Kerle an unserem Tisch pfeift den beiden hinterher, was ihm ein Lächeln und ein lasziv über die Schulter geworfener Handkuss einbringt.
Daisy stockt. Ich halte meine Hand schützend über den unteren Teil des Handys um sie von der Geräuschkulisse abzuschirmen. "Folgendes, ich schicke ihn andauernd nach Hause. Er muss doch auch packen für die Reise. Aber er geht einfach nicht.", meckert Daisy. Oh man, hat sie eine Laune.
Doch ich beschließe mir meine gute Laune nicht verderben zu lassen. "Gut so. Der Mann weiß eben wofür ich ihn bezahle.", lache ich und beglückwünsche mich erneut zu meinem Entschluss John Faber eingestellt zu haben. Der Mann weiß wie man den Job ausführt. Er ist loyal, konsequent und ehrlich.
"Dan, der Mann braucht doch auch seinen Feierabend." , stöhnt Daisy. "Wir können doch nicht von ihm verlangen wer weiß wie lange vor einem Laden herumzustehen und auf mich zu warten. Das geht doch nicht!"
"Und warum nicht? Wenn es doch das ist wofür er bezahlt wird.", frage ich leichthin.
"Na, weil man so nicht mit Menschen umspringt, Schatz." Warum ist sie nur so stur? Sie muss doch einsehen, dass John's Anwesenheit nur Vorteile bringt.
Doch ich sehe ein, dass sie eventuell eine Erklärung bedarf. Ich senke die Stimme und sage, "Daisy, ich fühle mich wohler, wenn er in deiner Nähe ist. Dann bin ich beruhigter."
"Aber er ist nur mein Fahrer. Klar war es vorhin praktisch ihn dabei zu haben. Wegen der Einkaufstaschen und so. Aber für den Rückweg heute Nacht kann ich mir doch auch ein Taxi nehmen.", widerspricht sie weiter.
"Kommt nicht in Frage." Ich hoffe ihr langsam mal klar gemacht zu haben, dass ich in dieser Sache keinen Widerrede dulde!
Doch falsch gedacht. "Warum nicht?"
"Weil ich dich dann beschützt weiß."
"Wenn es dir darum geht, dass ich nachts nicht allein in der Stadt herumlaufen soll. Anna und Freddy sind bei mir."
"Toll. Eine zierliche Brünette und ein schwules Model. Die beiden können dich gut vor Modesünden aber nicht vor bösen Jungs beschützen." Ich wage es einen Scherz zu machen um die Stimmung zu retten. Ahnt sie, dass John mehr als nur ein einfacher Fahrer ist?
Förmlich kann ich sie vor mir sehen. Den süßen Mund schnippisch vorgeschoben, die steile Falte zwischen ihren Augen, die immer erscheint wenn sie genervt ist, ist da und die Arme trotzig vor der Brust verschränkt. "Jetzt bist du beleidigt oder?", hauche ich lächelnd ins Telefon. "Sicherlich ziehst du jetzt eine Schnute." Ich atme tief durch um meinen Schwanz unter Kontrolle zu bringen. "Wie gern hätte ich es, dass du jetzt in meinen Armen liegst und ich dir den trotzigen Gesichtsausdruck weg küssen könnte!"
Ein leises Keuchen kommt von ihrer Seite. "Komm nachher in den Club und ich lege extra für dich noch einmal diesen Gesichtsausdruck auf.", haucht sie.
"Ich hab einen anderen Vorschlag. Komm nach Hause und lass mich dir zeigen was ich so drauf habe damit du dich entspannst.", schlage ich vor und sehe mich schon meinen Kram zusammen zu packen und nach Hause zu eilen.
Doch sie entgegnet nur. "Das geht nicht. Du bist doch mit Ben unterwegs und ich mit meinen Mädels."
"Schade.", brumme ich.
"Nicht traurig sein! Bald hast du mich vier ganze Wochen allein für dich.", flüstere sie verführerisch.
"Und darauf freu ich mich schon!" Ich komme nicht umhin mir eines dämlichen Grinsens auf meinem Mund gewahr zu werden.
"Okay. Und John schicke ich jetzt gleich nach Hause. Nur damit du's weißt. Sehe ich ihn nachher vor dem Club stehen, lass ich dich in der Hochzeitsnacht nicht ran.", sagt sie aus heiterem Himmel und legt auf einen Wimpernschlag später auf. Verdattert starre ich auf das verstummte Gerät in meiner Hand. Sie kann mir doch nicht einfach sowas an den Kopf werfen und dann einfach auflegen. Oh doch, sie kann und sie hat es getan.
"Nicht mit mir, Süße.", murmle ich leise und tippe eine Nachricht an Faber. "Egal wie lang es dauert. Egal wohin sie will. Sie warten ab und bleiben in ihrer Nähe!", befehle ich ihm per SMS.
Nun kann ich mich wieder meinem Freund zuwenden.
"Und, habt ihr alles geklärt?", fragt er und nimmt einen Schluck Bier.
"Jup. Daisy kann sich einfach nicht mit dem Gedanken eines ständigen Begleiters anfreunden.", brumme ich und trinke ebenfalls.
"Ständiger Begleiter? Meinst du damit diesen Faber?"
Ich nicke. "Er ist Bodyguard und als solcher habe ich ihn auch angestellt."
"Bodyguard?" Ben verschluckt sich fast an seinem Getränk. "Wozu zur Hölle braucht sie einen Bodyguard? Meinst du nicht, du übertreibst?"
Ich schüttle den Kopf. "Nein. Du erinnerst dich an Carol?", presse ich zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor.
"Soweit ich mich erinnere ist die hinter dir her. Warum also der Schutz für Daisy?"
"Vorsorge."
"So wie ich Daisy kenne, geht ihr das ziemlich auf den Geist.", lacht er.
"Sie weiß es nicht."
Ben sieht mich erstaunt an. "Sie weiß es nicht?"
"Nein. Für sie ist er einfach nur der Fahrer."
"Warum die Geheimniskrämerei?"
"Weil ich mir Sorgen mache.", zische ich und fahre mir erneut mit der Hand durchs Haar. "Ich habe Angst das ihr was passieren könnte.", gebe ich zerknirscht zu.
"Dan, ihr ist in all der Zeit die wir sie kennen nie etwas passiert." Ben schüttelt resigniert den Kopf.
"Ich weiß. Aber nun gibt es Carol."
"Die deine Stalkerin ist, nicht ihre. Mach dich locker, Kumpel! Sonst vergraulst du sie noch bevor eure Beziehung so richtig Fahrt aufnimmt."
"Du meinst bevor sie in meine Falle tappt?"
"Falle? Die Hochzeit? Siehst du es so?", lacht er.
"Nein. Blödsinn! Ich liebe sie und kann mir nichts schöneres vorstellen als mein Leben lang mit ihr zusammen sein! Aber ich habe Angst, dass ihr was passieren könnte. Ein Unfall oder so. Sicherlich liegt es an meiner Vergangenheit.", überlege ich leise.
"Weil deine Eltern verunglückt beziehungsweise tot sind?"
Ich nicke stumm.
"Das bedeutet doch nicht, dass es mit Daisy ein ebenso tragisches Ende nimmt.", mahnt mein bester Freund. "Lass ihr ihre Freiheiten! Und sieh' ein ..." Er legt seine Hand auf meinen Unterarm und sieht mir ernst in die Augen "... ihr seit keine Promis. Denen verzeiht man solches Verhalten. Aber doch nicht Otto-Normal-Bürger." Er wirft lachend den Kopf zurück.
"Du vergisst wohl, dass ich kein Otto-Normal-Bürger bin.", brumme ich verärgert. Meine gute Laune von eben ist dahin.
"Stimmt ja." Ben macht ein Gesicht als würde er sich in dieser Sekunde erst wieder erinnern wen er da vor sich hat. "Du bist Mister-Hoch-wohl-geboren."
"Nicht so laut!" Verstohlen sehe ich mich nach den beiden Typen um. Doch die waren mittlerweile derart besoffen das sie fast nichts mehr um sich herum mitbekommen.
"Dan, mach dich locker!", lacht Ben weiter. "Aber ich meine ernsthaft, du solltest nicht mit einer Lüge in die Ehe starten!"
"Meinst du wirklich, ich soll ihr die Wahrheit über Faber sagen?"
Er nickt bekräftigend.
Ich atme tief durch, um mich zusammeln. "Okay ...", sage ich schließlich. "... ich sage es ihr die nächsten Tage. Aber ich werde ihn auf keinen Fall entlassen! Sie muss lernen damit klar zu kommen."
Dagegen kann Ben nichts sagen, auch wenn er sicherlich denkt, dass es völlig unnütz ist einen Bodyguard zu beschäftigen.


Daisy


Vollkommen erholt kommen wir mit dem Bentley vor dem 'Caledonian Club'.
"Ich warte hier auf Sie.", verkündet John was ich befürchtet habe und ich bekomme Bauchschmerzen. Es war mittlerweile 22 Uhr und er bestand noch immer darauf in meiner Nähe zu bleiben.
Ich verkneife mir eine erneute Gardinenpredigt und steige zusammen mit den beiden anderen aus dem Wagen.
"Das wird toll!", kreischt Freddy und klatsch in die Hände. Ich war mir da nicht so sicher. Zögernd werfe ich einen Blick zum Bentley zurück. John verfolgt jeden meiner Schritte mit den Augen. Unsere Blicke treffen sich. Er scheint zu sagen, "Nur Mut!". Tief durchatmend hake ich mich bei Anna ein. Nach der Massage und der Sauna hatte ich mich umgezogen. Nun trage ich das neue royalblaue Midikleid und die dazu passenden Riemchenstilettos. "Du siehst heiß aus!", urteilt Anna erneut und lässt den Blick abschätzig an mir auf und ab wandern. "Freddy, ich denke, wir müssen gut auf unsere Daisy aufpassen da drin."
Der angesprochene nickt und stellt sich vor dem Türsteher in Positur.
Dieser mustert uns schweigend und hakt anschließend die rote Kordel auf um uns eintreten zu lassen.
Kaum im Inneren angekommen schlägt uns eine Kakophonie aus verschiedenen Musikstilen sowie eine Wand aus abgestandener Luft, Schweiß und Parfum entgegen.
Dezent angewidert folge ich meinen Freunden zur Bar, wo wir uns zum Auftakt einen Martini bestellen.
Mit den Gläsern in den Händen drehen wir eine Runde um die Lage abzuchecken und um nach einem freien Tisch Ausschau zu halten. Unser altbewährtes System.
Tatsächlich entdecken wir noch einen freien Tisch und drapieren uns um ihn herum. Anna in ihrem goldenen Minikleid zieht wie immer die meisten Blicke auf sich. Doch auch ich habe heute einige Verehrer. Ob das nun den sexy Schuhen oder doch eher dem tiefen Rückenausschnitt der die obere Hälfte meines Hinterns freilegt geschuldet ist, lasse ich mal dahingestellt.
Kaum fünf Minuten später erhalten wir Mädels Tanzaufforderungen von zwei schnuckeligen Typen die außerdem miteinander befreundet zu sein scheinen.
Lächelnd folgen wir ihnen auf die Tanzfläche. Ich habe einige Probleme auf dem glatten Boden nicht auszugleiten und klammere mich, nachdem ich das erste Mal ins Straucheln geraten bin bei dem Kerl an den Oberarm. Er scheint das als Annäherungsversuch meinerseits misszuverstehen und legt einen Arm um meine Taille. "Wie heißt du?", brüllt er beinahe in mein Ohr.
"Clara.", lüge ich. Das ist so eine Vorsichtsmaßnahme von Anna und mir. Niemals in einem Club den wahren Namen preis geben.
"Schöner Name.", lobt er und verrät mir, dass er Tom heißt. Ob nun echt oder nicht, der Name passt zu ihm. Die Takte eines langsamen Liedes erklingen und er legt auch den zweiten Arm um mich. Meine Hände ruhen auf seinen Schultern. aber Langsam wiegen wir uns im Takt der Musik, bis eine meiner Hände an seiner Schulter herab zu seinem Bizeps rutscht. Tom sieht mir tief in die Augen. Was er wohl denkt? Ob er denkt, ich will mit ihm flirten? Ich sehe mich gezwungen ihm die Wahrheit zu sagen, "Ich bin verlobt.", platze ich heraus.
Er zuckt die Schultern. "Macht nichts. Ich hab ne' Freundin."
Erstaunt reiße ich die Augen auf, "Wo ist sie?" und sehe mich um. Auf keinen Fall möchte ich Ärger mit einer eifersüchtigen Freundin bekommen.
"Zu Hause. Sie steht nicht so auf Party und Clubs.", erklärt er lächelnd.
Ich nicke.
"Wo ist dein Freund?"
"Ebenfalls feiern.", entgegne ich ohne darüber nachzudenken. Sicherlich wundert er sich, warum ein Paar bei dem es scheinbar gut läuft nicht zusammen feiern geht.
"Das heute ist sowas wie mein Junggesellenabschied.", erkläre ich weiter um alle Missverständnisse aus dem Weg zu räumen.
"Na dann.", meint er kryptisch und grinst mich frech an.
Etwas weiter entfernt reibt sich Anna an dem anderen süßen Kerl. Tom scheint es zu bemerken und sagt, "Da scheinen sich zwei gefunden zu haben."
Ich nicke. "Scheint so."
"Ist deine Freundin Single?"
Ich nicke erneut. "Ja, ist sie."
"Cool!", meint er.
Wir tanzen bis das Lied zu etwas schnellerem wechselt. Wir beschließen einvernehmend das nicht mit zu tanzen und gehen an die Bar hinüber. Tom lädt mich auf ein Drink ein den ich gern annehme.
Trotz der Lautstärke versuchen wir ein vernünftiges Gespräch zu führen. Doch irgendwann brüllt er mir ins Ohr, "Wollen wir nicht irgendwo hingehen wo wir uns besser unterhalten können?"
Ich zögere. "Ich weiß nicht. Ich bin mit meinen Freunden hier.", führe ich an und sehe mich nach ihnen um. Freddy kann ich nirgends entdecken und Anna tanzt noch immer mit Tom's Freund.
"Komm, Clara!", drängt Tom und nimmt mich bei der Hand.
Etwas widerstrebend lasse ich mich von ihm in Richtung der Toiletten ziehen.
Erwartet er das ich ihm dort einen Blase oder gar eine Nummer mit ihm in einer der Kabinen schiebe?
Mir bricht der Schweiß aus. Doch als wir in dem Gang vor den Waschräumen ankommen bleibt er stehen und atmet tief durch und ruft erleichtert, "Endlich etwas Ruhe!"
"Ja, endlich.", murmle ich leise.
"Ich hasse es!"
"Du magst gar nicht hier sein?", staune ich ehrlich verwundert. "Warum tust du es dann?"
"Du meinst ausgehen?"
Ich nicke atemlos.
Tom zuckt die Schultern. "Weiß nicht, ich denke ich tue es für Steve?"
"Steve?"
"Mein Kumpel." Er deutet mit dem Daumen zurück. "Er ist Single und krampfhaft auf der Suche nach einer Partnerin.", erklärt er lächelnd. "Und jedes Mal lasse ich mich breitschlagen ihn zu begleiten. Aber ich kann's verstehen ..." Er lässt sich grinsend an der Wand neben uns herabgleiten bis er auf den Fersen sitzt. "... wer gibt sich schon selbst der Schmach hin, allein aus zu gehen?"
Da kann ich ihm nur zustimmen. "Das ist traurig!"
Ich hocke mich neben ihn. Die Angst von ihm zum Sex gezwungen zu werden scheint bei Tom unbegründet.
Wir unterhalten uns fröhlich weiter über Gott und die Welt und ich erfahre, dass er Erzieher in einer Grundschule ist und bereits seit sechs Jahren mit seiner Partnerin, die allerdings unter Angstzuständen leitet und ihn daher nicht in Clubs begleitet zusammen ist.
Irgendwann entschuldigt er sich und verschwindet auf der Toilette. Ich stemme mich wieder hoch und gehe, um meine eingeschlafenen Füße wieder aufzuwecken ein paar Schritte auf und ab.
Plötzlich werde ich am Arm gepackt und ruckartig herum gedreht. Erschrocken hole ich bereits zum Gegenschlag aus, als ich entdecke, dass es Anna ist. "Süße, wärst du mir sehr böse, wenn ich dich mit Freddy allein lasse?", keucht sie atemlos.
"Nein, natürlich nicht. Was ist denn los?", antworte ich verwirrt.
"Steve, der süße Typ mit dem ich getanzt habe will mir seine Wohnung zeigen." Dabei wackelt sie anzüglich mit den Augenbrauen.
"Ach so?", grinse ich. "Okay, aber du musst mir versprechen, dass du gut auf dich aufpasst!" Dieses Versprechen muss sie mir abnehmen.
"Klaro. Und du suchst Freddy, statt hier allein herumzustiefeln und ihr macht euch auch auf den Heimweg. Morgen wird ein aufregender Tag."
"Apropos Morgen, wirst du denn rechtzeitig zurück sein?", grinse ich.
"Na klar doch. Du kennst mich doch.", lacht meine beste Freundin. "Du kannst dich auf mich verlassen!"
Da stimme ich ihr zu. Bisher hat sie es immer geschafft pünktlich zu Terminen zu erscheinen., auch wenn sie die Nacht davor außer Haus verbracht hat.
Wir verabschieden uns mit einer Umarmung.
Anschließend mache ich mich auf die Suche nach Freddy. Tom war bisher noch nicht wieder von der Toilette aufgetaucht. Wenn er unser Gespräch von vorhin fortsetzen möchte wird er mich schon finden.
Wen ich aber nicht finde ist Freddy. Ich laufe den gesamten Club ab ohne eine Spur von ihm zu entdecken. Schließlich bleibt mir nur das Klo. Vorsichtig drücke ich gegen die Schwingtür und rufe in den Raum, "Hallo? Freddy, bist du da?". Doch außer einem frechen Spruch von wegen "Für dich bin ich wer auch immer du willst, Süße." kommt nichts zurück. Genervt verdrehe ich die Augen und lasse die Tür zufallen. Wo steckt er nur? Ob ich jetzt einfach so allein abhauen darf? Auf keinen Fall will ich irgendjemanden verärgern. Allerdings habe ich auch mein bestmöglichstes getan um ihn zu finden. Also beschließe ich tatsächlich zu verschwinden.
Als ich an der Garderobe vorbei gehen merke ich erst, dass ich nichts zum überziehen dabei hatte. Mittlerweile dürfte es draußen kühlen geworden sein. Ich würde mir schnell ein Taxi suchen müssen. Draußen umfängt mich sofort die kalte Nachtluft. Fröstelnd lege ich meine Arme um mich.
Ich laufe los, in Richtung der nächst besten Hauptstraße. Dort stehen die Chancen ein Taxi zu ergattern höher als hier in der viel kleineren Nebenstraße. "Jetzt wäre der Bentley doch ganz schön!", denke ich bei mir. "Na ja, beim nächsten Mal."
Mit einem Mal höre ich hinter mir Schritte. Erschrocken drehe ich den Kopf und sehe eine männliche Silhouette auf mich zukommen.
Was soll ich jetzt machen? Was will der von mir? Doch meine Sorge ist unbegründet, der Mann hastet an mir vorbei um mir ein am Straßenrand geparktes Taxi vor der Nase weg zuschnappen. "Na, vielen Dank auch!", brülle ich ihm mutig hinterher.
Bevor sich die hintere Taxitür hinter ihm schließt, hält er inne und schiebt den Kopf heraus. "Wollen Sie mitfahren? Wir können uns die Kosten teilen."
Das hört sich ganz gut an. Im Grunde hört sich alles besser an, als wer weiß wie lange auf ein neues Taxi warten zu müssen. Und der Kerl sieht vertrauenerweckend aus. Also steige ich nachdem er weiter gerutscht ist neben ihn ein. Energisch ziehe ich die Tür hinter mir zu.
"Wo soll's hingehen?", fragt der Fahrer von vorn.
Ich zögere. Ist es so klug einem fremden Mann meine Adresse zu nennen? Ich beschließe ihn auszutricksen und sage, "Bitte, Sie zuerst!"
Er grinst und gibt eine Adresse in Knightsbridge an.
Der Fahrer nickt und gibt Gas.
Lächelnd werfe ich meinem Mitfahrer einen Blick zu und sehe anschließend aus dem Fenster.
"Wie heißen Sie?", durchbricht er das Schweigen.
Ich drehe mich zu ihm und antworte geradeheraus, "Clara."
"Schöner Name!"
Das habe ich heute schon einmal gehört.
"Und Sie?", frage ich der Höflichkeit halber.
"Benjamin."
Ich schenke ihm ein Lächeln. "Ja dann, vielen Dank nochmal, Benjamin!"
"Sehr gern geschehen!" Er grinst. "Ein Gentleman kann doch eine Lady in Not nicht im Regen stehen lassen."
"Na ja, regnen tut es ja gerade nicht. Und eine Lady ...", sage ich leise.
"Oh doch, ich erkenn' doch eine Lady wenn ich eine sehe.", entgegnet er selbstsicher.
Ich beschließe darauf nicht zu antworten.
"Wo wohnen Sie?", fragt er weiter.
Er lässt nicht locker.
"Wären Sie mir sehr böse, wenn ich das nicht verrate?"
Benjamin schüttelt den Kopf. "Wie Sie wollen. Ich versteh schon. Ich würde mir auch nicht vertrauen."
Damit hatte er mich. "Warum?"
"Na ja, wenn mir mein Wohnort peinlich wäre ..."
"Wie kommen Sie darauf, dass mir mein Wohnort peinlich ist?", will ich neugierig wissen. Ich weiß nicht recht, ob ich beleidigt oder interessiert sein sollte.
"Na ja, so wie Sie aussehen sind Sie reich. Da müssen Sie sich gegen Diebe absichern."
"Sind Sie denn einer?", frage ich kokett.
"Ein Dieb?"
Ich nicke.
"Nun ja, ich habe so mancher Lady schon das Herz gestohlen.", grinst er frech.
Lachend lege ich den Kopf in den Nacken. "Sie sind lustig!", urteile ich.
"Das habe ich schon öfters gehört."
"Ich wohne in Belgravia. Und das ist mir keineswegs peinlich.", antworte ich locker.
"Belgravia." Er pfeift anerkennend zwischen den Zähnen hindurch.
Ich nicke bescheiden.
"Dann sind Sie wirkliche eine Lady."
Jetzt wurde ich rot. "Nein, ich lebe nur dort. Eigentlich komme ich aus Hammersmith.", gebe ich zu.
"Was auch keine Schande ist.", lacht er. "Ich bin in Knightsbridge geboren und aufgewachsen. Was soll's."
"Dagegen ist ebenfalls nichts einzuwenden."
Er nickt. "Wollen wir du sagen?", fragt er mit einem Mal und hält mir seine rechte Hand hin.
Ich schlage ein und sage leise, "Clara."
"Benjamin."
Gut gelaunt fahren wir weiter und führen eine lockere Unterhaltung. Doch mit einem Mal schlägt die Stimmung um. Er rückt näher an mich heran und legt seine Hand auf meinen Oberschenkel. "Du bist wirklich wunderschön, Clara! Hat dir das schon mal jemand gesagt?"
"Tatsächlich hat man das. Mein Mann zum Beispiel.", versuche ich ihn in die Schranken zu weisen.
Doch er lässt sich davon nicht abschrecken und legt mir stattdessen noch die zweite Hand auf den unteren Rücken. "Ach, du bist verheiratet?"
Ich nicke mit zusammengepressten Lippen.
"Und wo ist er? Dein Mann meine ich. Hat er keine Angst, dass dir was zustoßen könnte?", raunt er an meinem Nacken.
Doch hat er. Deshalb hat er John Faber eingestellt, wird mir plötzlich klar. Verzweifelt versuche ich ihn von mir weg zuschieben. An den Fahrer gewandt rufe ich, "Können Sie bitte hier anhalten! Ich möchte aussteigen!"
"Sind Sie sicher, Miss?", fragt dieser verwundert. Klar, er muss sich auf den Verkehr konzentrieren und hat nichts mitbekommen von den Aufdringlichkeiten.
"Ja, bin ich, Danke.", zische ich und drücke Benjamin von mich.
"Hey, was hast du dich denn so pissig?"
Pissig? Echauffiert schnappe ich nach Luft. "Benjamin, bitte. Halte Abstand!", sage ich mit soviel Nachdruck wie ich fähig bin aufzubringen.
"Ach komm schon. Als du zu mir ins Taxi gestiegen bist hast du es doch auch gewollt.", mutmaßt er.
Das Taxi hält und ich greife nach dem Türöffner. Doch er hält meine Hand fest und drückt mich an sich. "Wo willst du denn hin?", raunt er an mein Ohr. Sein heißer Atem brennt sich in meine Haut. Angewidert stoße ich ihn von mir. Den Taxifahrer anflehend sage ich, "Können Sie mir bitte helfen!"
Der Fahrer, dem jetzt erst aufzufallen scheint, was hinter ihm los ist dreht sich um und fragt an uns gewandt, "Gibt's hier ein Problem?"
"Nein."
"Ja.", sagen wir gleichzeitig. "Ich bitte Sie. Helfen Sie mir, diesen Mann auf Abstand zu halten!"
Der Fahrer sagt, "Hey Mister, ich denke, es wäre besser, wenn Sie jetzt aussteigen!"
"Warum sollte ich?", entgegnet Benjamin. An mich gewandt sagt er, "Ich war zuerst hier. Wenn du dich so anstellst, hau du doch ab!"
Nichts lieber als das. Sofort greife ich erneut nach dem Türöffner und stoße die Tür auf. "Die Rechnung zahlt der Herr.", rufe ich hastig über die Schulter und werfe die Tür zu.
Mich noch sammelnd richte ich mich auf und rücke meine Kleidung zurecht, als Scheinwerfer hinter dem Taxi am Straßenrand zum stehen kommen.
Verwirrt sehe ich mich um, kann aber in der Dunkelheit und aus Mangel an Straßenlaternen auf diesem abgelegenen Stück Straße nichts erkennen. Doch nur einen Augenblick später weiß ich wer sich hier als mein Retter herausstellt. John Faber. "Daisy?", fragt er in genau dem Moment, wo das Taxi weiterfährt.
"John?", erwidere ich teils verblüfft, teils erleichtert. Der größere Teil ist die Erleichterung.
"Was ist los?", fragt er und mustert mich im Schein der Scheinwerfer des Bentleys.
"Benjamin ... ich .... er wollte ... doch ich wollte nicht ...", stammle ich unzusammenhängend. Er scheint dennoch zu begreifen. "In dem Taxi da?" Seine Hand deutet den sich entfernenden Rücklichtern des Taxi hinterher. Ich nicke kraftlos und lasse den Kopf hängen. Mit einem Mal fühle ich mich abgrundtief erschöpft. Sofort kommt Leben in meinen Chauffeur. Er packt mich am Arm und schiebt mich zum Wagen. Nachdem er mich auf dem Beifahrersitz angeschnallt hat, springt er auf den Fahrersitz und startet mit einem Kickstart den Bentley. Eilig nimmt er scheinbar die Verfolgung auf Mit Erfolg, denn kurz darauf fädelt er sich hinter dem Taxi in die Fahrspur ein.
"Was haben Sie vor, John?", frage ich langsam.
"Das ist nicht wichtig.", brummt er und setzt den Blinker. "Wichtig ist nur, dass es getan wird."
"Was?", keuche ich. Was hat er vor?
Doch er geht nicht weiter darauf ein. Als sich an einer Einfahrt eines Parkplatzes mit zwei Einfahrten die Gelegenheit bietet schert John aus, rast über den nächtlich verlassenen Parkplatz und schleudert förmlich mit dem Bentley in einer kreisenden Bewegung vor dem Taxi auf der Seitenstraße ein. Sicherlich zu Tode erschrocken steigt der Fahrer des Taxis auf die Bremse. Sofort springt er aus dem Fahrzeug und beginnt mit seinem russischen Akzent John zu beschimpfen. Dieser jedoch ignoriert ihn geflissentlich, geht ungerührt zur hinteren Wagentür und reißt diese auf. Nachdem er den zeternden Benjamin herausgezerrt und von mir das Ok das es sich um das richtige Arschloch handelt eingeholt hat, verpasst er ihm einen gut platzierten Kinnhaken. Benjamin taumelt rückwärts und knallt mit dem Rücken gegen das Fahrzeug. Doch er fängt sich schnell, rappelt sich wieder zu voller Größe auf und holt aus um nun seinerseits John eine zu verpassen. Dieser jedoch weicht gekonnt aus und schlägt ein weiteres mal zu. Diesmal geht Benjamin zu Boden. John greift ihn am Kragen, zieht ihn auf die Beine und wirft ihn auf die Rücksitzbank des noch immer wartenden Taxis.
Fasziniert und mit offenen Mund beobachte ich das Schauspiel durch die Windschutzscheibe.
John hat mittlerweile die Vordertür geöffnet und spricht mit dem Taxifahrer.
Nachdem er wieder zu mir zurückgekehrt und das Taxi abgefahren ist frage ich leise, "Was genau war das?"
"Das was nötig war.", meint er kryptisch.
Ich lasse nicht locker. "Warum haben Sie das getan? Und wo kamen Sie eigentlich so plötzlich her?"
Er zuckt die Schultern. "Sie müssen zugeben, das es ganz praktisch war, das ich in der Nähe geblieben bin!" Er zwinkert mir zu.
Ich komme nicht umhin ihm zu zustimmen. "Da haben Sie recht. Dankeschön, John!", gebe ich zerknirscht zu.
"Es ist mein Job, Miss Daisy. Also alles cool."
"Aber ..." Was mich wieder auf die Frage bringt, was seine wirkliche Aufgabe bei uns ist. "... es wäre doch nicht Ihre Aufgabe gewesen."
"Seien Sie einfach glücklich das ich da war. Wer weiß was sonst geschehen wäre?" Er startet den wagen.
"Ich hatte alles unter Kontrolle.", erwidere ich schnippisch.
"Ja, klar.", brummt er leise und grinst.
"Wirklich.", bekräftige ich.
Er nickt.
"Trotzdem ... Danke.", murmle ich leise und sehe beschämt aus dem Fenster.


2 Mai 2022 07:48:40 0 Rapport Incorporer Suivre l’histoire
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