ali_b Alica Brown

In einer geheimnisvollen Bar, inmitten einer Großstadt, erwacht die Zeit zum Leben und Serac folgt ihren verworren Wegen. Doch dann muss er feststellen, dass er selbst aus einer anderen Zeit gefallen zu sein scheint. Während er den jagd, der für diesen Sprung im Zeitenglas verantwortlich ist, bereist Serac verschiedenste Epochen und verfängt sich immer wieder in abenteuerlichen Geschichten.


Adventure All public.

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Die Bar

Ein unangenehmer Geruch stieg mir in die Nase. Ein Dunst aus gammligem Fisch und öffentlicher Toilette. Hohe Häuser umgaben mich, sie reckten sich in den Himmel und schienen mich mit hungrigen Blicken verschlingen zu wollen. Großstädte sind nichts für mich. Kaum hier angekommen, hätte ich kein Problem damit gehabt, geradewegs wieder zu verschwinden.

Ich stapfte die Straße entlang, die Hände in den Taschen vergraben, den Hut tief ins Gesicht und die Schultern hochgezogen, um mich vor den gaffenden Blicken der Stadt zu schützen. Der späte Nachmittag ging in der Dämmerung dem Abend entgegen. Die ersten Betrunkenen stolperten aus angrenzenden Gassen auf den Bürgersteig, laute Musik aus den Boxen Jugendlicher mischte sich mit dem Verkehrslärm und dem einheitlichen Dröhnen, zu dem das Gewirr aus Stimmen geworden war. Ich bog in eine weniger belebte Gasse ein. Ein junges Paar hatte sich die Gelegenheit der Ungestörtheit nicht nehmen lassen. Sie lehnten an einem Müllcontainer und ließen sich weder von mir noch von dem ungepflegt wirkenden Alten, der in einer Ecke lag und schlief, in ihrer Liebelei stören.

In die Wand des Backsteinhauses zu meiner Linken war eine massive Eisentür eingelassen. Sie war aus einer Angel gesprungen und hing schief und verbogen in der anderen, so gab sie einen Spaltbreit auf das Innere frei. Eine morsche Holztreppe, die in dämmrig, gelbem Licht abwärts führte. Leise Jazzmusik drang zu mir hinauf. Ich packte den Griff der verbeulten Tür. Sie ließ sich schwerfällig und mit einem dumpfen Geräusch öffnen, als wollte sie sich wegen der Störung beschweren. Die Stufen waren alt und knarzten unter jeder meiner Bewegungen. Ich ging, so leise es möglich war, die Stufen hinab. Ein langer Gang streckte sich vor meinen Füßen aus. Die Wände waren mit Lampen gespickt, die ihr schummriges Licht verströmten. Meine Sicht wurde von Zigarrenrauch vernebelt, ein merkwürdiges Gefühl der heimatlichen Geborgenheit überkam mich, flocht sich um mich und hüllte mich vollkommen ein. Ein großer bulliger Mann mit Vollbart schob sich an mir vorbei. Ich folgte ihm in einen großen Raum mit so niedriger Decke, dass der Mann sich ducken musste, um einzutreten. Eine Bar, mehrere kleine, runde Tische, Stühle aus Holz und eine kleine Bühne, auf der eine Jazzband spielte, fanden, wohlbedacht angeordnet, ihren Platz.

Mein Blick wurde in eine Ecke des Raumes gezogen. Vor einem matt, weinroten Vorhang, an einem der kleinen, runden Tische, saß eine Frau; sie war jung, wie ich Anfang 20, obwohl sie etwas viel Älteres an sich hatte. Sie schien zu strahlen, fast schon zu leuchten, eine große Kapuze verhüllt über die Hälfte ihres Gesichts und dennoch füllte ihre Präsenz den gesamten Raum. Sie war vollkommen allein in der Ecke, zwei Tische in ihrer Nähe waren leer, obwohl die meisten anderen überfüllt waren. Ich ging langsam auf sie zu, dunkle, lange Locken quollen unter der Kapuze hervor. Als ich näher kam, konnte ich eine lange Narbe auf ihrem Kinn erkennen, die sich hoch bis unter die Kapuze zog. Als ich an dem leeren Tisch neben ihr vorbeikam, zögerte ich einen Moment. "Was tat ich denn hier?" Die Frau sah nicht aus, als hätte sie gerne Gesellschaft oder als würde sie gar plaudern wollen. Sie saß über einem Glas Wein, als wartete sie auf etwas oder jemanden.

Ich blieb stehen und wollte mich gerade wieder abwenden, als ich eine große, kräftige Hand in meinem Nacken spürte. Ich erstarrte. Aus dem Augenwinkel konnte ich den Mann sehen, dem die Hand gehörte. Es war der, dem ich zuvor vom Gang in die Bar gefolgt war. Der Riese brummte, er nickte der Frau zu und schob mich mit seiner Pranke in ihre Richtung. Die Frau rührte sich kaum, sie legte den Kopf schief, sodass eines ihrer Augen aus den Schatten ihrer Kapuze hervor funkelte.

Ich ließ mich von dem Riesen auf einen der Stühle, ihr gegenüber drücken und mit einem zucken ihres Zeigefingers entfernte er sich.

Plötzlich war es still. Die Menschen überall an den überfüllten, kleinen Tischen verharrten in ihren Bewegungen. Nur die Frau vor mir schien weder davon betroffen, noch davon beeindruckt zu sein. Sie schob ungerührt eine Hand in ihren Mantel und zog einen dicken, vergilbten Umschlag hervor, auf dem ein brüchiges, rotes Wachssiegel prangte.

Sie legte ihn auf den Tisch und schob ihn wortlos herüber.

"Was ist das?", fragte ich in die durchdringende Stille hinein, die sich über uns gelegt hatte und abzuwarten schien, bis ihr die Erlaubnis erteilt werden würde, sich wieder zurückzuziehen. Meine Stimme klang kläglich rau und krächzend, als hätte ich seit Tagen keinen Ton von ihr verlangt. Ohne eine Antwort zu erhalten, verklang meine Frage, leise Echos von den Wänden zurückwerfend im Nichts.

Zögernd streckte ich die Hand nach dem Umschlag aus und zog ihn zu mir, sodass ich die, in verblichener, ehemals wohl dunkelroter Tinte geschriebenen Buchstaben, lesen konnte.

"Serac Taru" in schwungvoll verschnörkelten Buchstaben.

Irritiert sah ich die Frau an, die Schrift mochte verblichen sein, doch es war eindeutig mein Name.

Feb. 9, 2024, 8:28 p.m. 0 Report Embed Follow story
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Meet the author

Alica Brown Ich bin Alica, 20 Jahre alt und komme aus der Nähe von Stuttgart. Ich schreibe hobbymäßig und probiere mich gerne in verschiedenen Genres aus. Von Krimi und Thriller, über Fantasy und Science Fiktion, bis hin zu Romanzen und Gedichten. Ich freue mich über Feedback.

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