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John Miller, der Schiffsjunge!

John Miller, der Schiffsjunge.


Ja, da hatte ich John Miller nun auf einem englischen Kriegsschiff als Schiffsjunge angeheuert und wusste nicht auf welches Abenteuer ich mich eingelassen hatte?

Für meine Belange war die HMS Lexington ein gewaltiges Schiff.

Ich begriff sofort, dass auf diesem Schiff ein geschäftiges Treiben herrschte.

Etwas Großes musste im Gange sein, denn von überall kamen schwer beladene Fuhrwerke herbei und wurden schnellstens abgeladen.

Fässer in jeder Größe wurden unter Deck verstaut und fest gezurrt.

Es liefen hektisch Matrosen an mir vorbei und ich hatte das Gefühl überall im Wege zu stehen.

Noch während ich darüber nachdachte, traf mich schmerzhaft eine Kopfnuss am Kopf und man brachte mir bei, wo mein Platz wäre.

Der Bootsmann brüllte mich an und meinte, ich solle gefälligst mit anpacken.

Denn so schwächlich sähe ich ja nicht aus, und schließlich wäre das hier kein Hotel.

Also, schnappte ich mir eine Kiste und ging schnellen Schrittes in Richtung des Unterdecks!

Und schon wieder brüllte jemand hinter mir her, dass die Kiste in die Kapitänskajüte käme.

Ich wurde noch ganz wahnsinnig von dem ganzen Gebrüll, das auf diesem Kahn herrschte!

Doch man machte mir auf eine harte Weise klar, dass dieser Umgangston ganz normal wäre.

Also fing ich langsam an, nachzudenken und erledigte meine mir zugeteilten Aufgaben, ohne zu widersprechen.

Und ich muss sagen, es funktionierte und die ganze Sache fing an, mir Spaß zu machen.

Bis zu diesem verhängnisvollen Montag, an dem ich zum ersten Mal die ganze Brutalität auf diesem Schiff kennenlernte.

Ich war mittlerweile schon fast ein Jahr auf der 

HMS Lexington und hatte schnell gelernt.

Ich wurde schon ein paar mal lobend im Logbuch erwähnt und man gab mir immer mehr Verantwortung 

Bis zu diesem besagten Tag war alles entspannt an Bord, als plötzlich mit hochrotem Kopf der Schiffskoch unangemeldet beim Kapitän auftauchte und rumbrüllte.

Man hätte ihn bestohlen und er wüsste auch, wer es gewesen wäre.

Es wäre Olafssen, der schwedische Küchengehilfe gewesen.

Patrick, der Schiffskoch mochte Olafssen von Anfang an nicht und versuchte ihn überall schlecht zu machen.

Der Kapitän musste der Sache nachgehen, denn er konnte so kurz vor dem Auslaufen keinen Ärger an Bord gebrauchen.

Patrick brüllte überall herum, dass man ihm fünf Silber Schilling aus seiner Seekiste gestohlen hätte und Olafssen wäre als letzter gesehen worden, wie er unter Deck herumschlich.

Und wie es der Klabautermann wollte, fand man die besagten fünf Silber Schilling im Seesack von dem armen Küchengehilfen.

Kameradendiebstahl wurde und wird heute noch auf einem Kriegsschiff seiner Majestät sehr hart bestraft.

Zu meiner Zeit als Schiffsjunge gab man dem Dieb 25 Peitschenhiebe auf dem blanken Rücken vor versammelter Mannschaft.

(Die rechtliche Grundlage der Disziplin in der Royal Navy bildeten die „Articles of War“ („Kriegsartikel“). Viele Bestimmungen sahen als einzige Strafe den Tod vor – doch das galt auch für die damaligen Strafgesetze an Land. Während bei schweren Straftaten, wie Desertion oder Meuterei, ein Kriegsgericht zuständig war, wurden kleinere Delikte wie Nachlässigkeit oder Trunkenheit im Dienst ohne Gerichtsverfahren durch den Kommandanten an Bord geahndet. Bei geringfügigen Verfehlungen wurden Strafarbeiten oder der Entzug der täglichen Rumration verhängt, bei schwereren Vergehen wurden die Matrosen ausgepeitscht.)

Olafssen beteuerte natürlich seine Unschuld und er wüsste nicht, wie das Geld in seinen Seesack gekommen sei?

So stand Aussage gegen Aussage und dem Kapitän blieb gar nichts anderes übrig, als den armen Kerl schuldig zu sprechen.

Patrick grinste hämisch und freute sich schon auf die Vollstreckung des Urteils am anderen Morgen.

Ich hatte mich die ganze Nacht in meiner Hängematte hin und her gedreht und nur an Olafssen gedacht.

Nein, er würde niemals einen Kameraden bestehlen, so dumm konnte er nicht sein?

Vom schlechten Schlaf schüttete ich mir einen Eimer Hafenwasser über den Kopf und dann organisierte ich noch einen schwarzen Kaffee.

Für kalte Hafergrütze zum Frühstück hatte ich keinen Sinn.

Als ich das Oberdeck betrat, hatte man den armen Kerl schon am Hauptmast gefesselt.

Und hinter ihm stand ein Bär von einem Mann.

Es war Mac Brien, der Bootsmann mit einer siebenschwänzigen Peitsche in der Hand 

, Bootsmann, vollstrecken sie das Urteil', hörte ich den ersten Offizier sagen.

Und schon sauste die Peitsche auf den Rücken des Olafssen nieder.

25-mal bohrten sich die Lederriemen tief in das Fleisch und rissen das Muskelgewebe auf. 

Trotz wahnsinniger Schmerzen kam kein Laut über seine Lippen.

Ich war so schockiert und angeekelt, dass ich nicht hinschauen konnte.

Doch ich schwor mir, dass ich der Sache auf den Grund gehen wollte.


Dec. 20, 2022, 8:21 p.m. 0 Report Embed Follow story
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