helene-lange1668323495 Helene Lange

Madita studiert nicht, sie lebt alleine in ihrer Wohnung und macht immer das, was ihr gerade in den Sinn kommt. Sie lebt ein Leben, welches viele von uns nicht Leben, weil sie sich in irgendwelche Schubladen stecken oder die anderen es für sie tun. Als Madita eine äußerliche Änderung an sich vornimmt, beschliesst sie ihren Charakter, sowie ihre Sicht auf ihr Leben umzustellen. Doch als sie sich verliebt, weiß sie plötzlich nicht mehr wer sie ist. In wen soll er sich verlieben, in Mary oder Madita?


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Die Geburt von Mary

Was ist Liebe?

Eine Entscheidung oder ein Gefühl?

„Du wirst es merken, wenn du die wahre Liebe triffst"

Stimmt das wirklich?

Denkt man in einer Ehe, mit seiner wahren Liebe, nie darüber nach, wie das Leben gelaufen wäre, wenn man mit Lukas, aus der 11. Klasse zusammen geblieben wäre?

Was passiert, wenn sich die „große Liebe", als Fremdgeher entpuppt, hört dann diese Liebe, dieses Gefühl plötzlich auf?

Also ist Liebe vielleicht doch eine Entscheidung?

Wie möchte man dieses komplexe Thema einem Teenager erklären?

Oder viel mehr, wie soll ein Teenager, dieses komplexe Thema verstehen, wenn es ihm keiner erklärt?

Unserer Generation will immer nur „etwas Lockeres" und kann sich nicht binden.

Menschen, die eine solche Aussage treffen, könnte man vorwerfen, wie traurig es ist, dass die heutige Generation gar keine Beziehung mehr will.

Viele von ihnen wollen aber eine Beziehung.

Jedoch können sie sich nicht einmal vorstellen, dass jemand ihre, sowie die Bedürfnisse, des jeweils anderen verstehen und darauf eingehen kann.

Wie beginnt überhaupt so eine Beziehung?

Es muss doch ein unglaublicher Zufall sein, wenn sich zwei Personen zur selben Zeit, mit derselben Intensität und mit demselben Willen eine Beziehung zu führen, finden.

Einer der Gründe, warum ich Datingportale mit einer gewissen Distanz betrachte.

Irgendwie läuft das ganze zu perfekt, zu organisiert und zu gestellt.

Doch, so hat man zumindest die Möglichkeit, sich das gesamte Sortiment einmal anzusehen, bevor man sich das Beste nimmt, was man kriegen kann ...


Ich tippe die drei Punkte ein, obwohl in meinen Kopf sämtliche Gedanken und Gefühle, sowie Meinungen und Erinnerungen umherschwirren. Jedoch findet keiner der Sätze, die sich in meiner Vorstellung bildeten, Bezug zu dem, was ich zuvor aufs Papier gebracht habe.

Es war einer dieser Tage gewesen, an denen man nichts zu tun hatte, sich jedoch viel vornahm, was schon beim alleinigen Gedanken daran zum Scheitern verurteilt war. Ich hatte meine Musik laut aufgedreht und getanzt, ich lief von den 5 vorgenommenen Kilometern nur die Hälfte und duschte danach eiskalt. Einige Minuten später hatte ich mich an den Schreibtisch gesetzt und meine aktuelle Gefühlssituation, mit meiner besten Freundin am Telefon Revue passiere lassen. Im Anschließenden, ließ ich meine Finger über die Tastatur fliegen und lese mir nun mein vollendetes Werk durch. Einige Zeilen lösen eine Unzufriedenheit in mir aus, aber ich lasse sie stehen. Mein selbst entwickeltes Konzept eines Gedankensalates gefällt mir mittlerweile ausgezeichnet. Ich habe unzählige Dateien, jener Art auf meinem Laptop gespeichert, welches ihnen jedoch nicht die Bedeutung nimmt. Eine, die ich geschrieben habe, als ich mich von meinem Exfreund getrennt habe, eine, die ich geschrieben habe, nachdem ein (meiner Meinung nach) absolut unfähiger Politiker gewählt wurde. Ich tat es des Öfteren, wenn ich wegen etwas unzufrieden oder traurig war, aber vor alledem dann, wenn sich die Gedanken, die ich dachte, einfach nicht aus meinem Kopf bewegten.


Die hohen Stiefel, mit denen ich heute Morgen, meinem Outfit einen edlen Touch verliehen hatte, waren eine riesige Fehlentscheidung gewesen. Ich eile durch die Straßen, meine Schuhe drücken an der Hacke, weil meine zu kurzen Socken, langsam aber schmerzhaft nach unten rutschen. Wenn man mich sieht, kann man meinen, ich sei eine Jurastudentin. Eines der Mädchen, die gerade nach fleißigem Lernen zu ihrer nächsten Vorlesung eilt und sich vorher noch einen Cappuccino in einem teuren Café bestellt, den sie mit einer lässigen Bewegung mit ihrer Apple Watch zahlt. Allerdings hat mein strammes Tempo nicht den Grund, dass mich irgendwo jemand erwartet. Im Gegenteil, mich erwartet heute gar keiner. Schließlich ist heute mein letzter Urlaubstag, den ich voll und ganz auskosten möchte. Mein Blick ist nach vorne gerichtet, mein Mantel und meine Haare wehen beim jedem Schritt, den ich zum Takt der Musik, die in meine Ohren dröhnt, gehe.

In jedem spiegelnden Schaufenster nutze ich die Gelegenheit, mein Erscheinungsbild zu überprüfen, nicht weil ich besonders eitel bin, aber ich will mich dieser Rolle, in die ich heute geschlüpft bin, bestmöglich anpassen. Im Schaufenster, des Friseurs, der mir gerade mein eigenes Gesicht wieder spiegelt, hängt ein Plakat. Es zeigt eine Frau mit einem kristallblauen Augen, der schwarze Bob umrahmt ihr liebliches Gesicht und ihre Lippen kommen auf der blasen Haut zu einer eindrucksvollen Geltung.

Sie sieht mutig aus, ihr Blick durchdringt mich. Ich bewundere dies Frau jetzt schon, ohne je ein Wort mit ihr gewechselt zu haben.

Mir kommt ein Gedanke. In dem Moment, in dem die Idee in mir entspringt, ist es eine getroffene Entscheidung. Ich ziehe den Ärmel ein Stück nach oben, um mir eine Sicht auf meine Armbanduhr zu verschaffen. Ein paar Telefonate und damit verbundenen Enttäuschungen später, befinde ich mich in einem viel zu teurem Designer Stuhl.

Die Friseuse, ist eine solch drastische Änderung, dem Anschein nach nicht gewohnt, den Überzeugungsversuchen, sich einfach nur ein paar dunkle Strähnchen färben zu lassen, nach zu urteilen. „Ich hätte gerne einen Bob!", antworte ich auf ihre nächste Frage. Das kleine Erstauen, welches über ihr Gesicht huscht, bleibt vor mir nicht verborgen, so sehr sie es auch versucht zu überspielen. Es schmeichelt mich, dass sie mir meine Rolle, als wohlhabende, beschäftigte Frau abkauft. Ihr Erstaunen gegenüber meinem Vorhaben verrät sie.


Als ich den Friseur verlasse, klafft in meiner Bankkarte ein großes Loch in einer Summe von 220 Euro. Dafür muss ich mich zwei ganze Tage im Restaurant herumschlagen und zudem sehr wohlhabende Gäste bedienen. Ich bin ehrlich, die Veränderung erschreckt mich zunächst, ich versuche die Selbstzweifel aus meinem Kopf zu schieben. Dann bin ich ab heute eben nicht mehr Madita, sondern Mary. Die Euphorie, die sich bei der Überlegung in meinem gesamten Körper verteilt, ist alles am bisherigen Tage wert gewesen. Dem nächsten gut aussehendem Mann, der mir entgegenkommt, schenke ich neben meinem durchdringenden Blick ein Lächeln, dass ein bisschen zu warm, für Marys Geschmack ist.


Ich wache früher auf, als mein Wecker es mir erlaubt hätte. Die Hand, die Sekunden später durch meine Haare fährt, erinnert mich an das gestrige Geschehen.

Mein Make-up sitzt, nur meine Haare lassen sich nicht mehr zu einem Zopf binden.

Verdammt, daran habe ich ja gar nicht gedacht, flucht mein Kopf. Panisch krame ich in meiner Schublade, nach den rosa Klammern, die ich als Kind häufig getragen habe. Ich werde fündig. Eine Anfang-Zwanzigjährige mit rosa Haarklammern, das war das absolute Gegenteil, von dem, was ich mir für Mary erhofft habe. Nach der Arbeit muss ich mich nach etwas Passenderem umsehen, merke ich mir.

Kurz darauf, sitze ich auf meinem Rennrad und fahre in einem rasenden Tempo, durch die Straßen, der Großstadt. Einige Menschen sind betrunken, wahrscheinlich haben sie die ganze Nacht gefeiert. Ich interessiere sie gar nicht.

Als ich das weiße Gebäude erreiche und mein Fahrrad anschließe, verspüre ich eine leichte Aufregung. Dieses Restaurant, ist für mich der beste Ort, um alles zu vergessen, was mich gerade beschäftigt. Als ich die Tür aufdrücke, strömt mir ein Geruch, gebackener Teigwaren entgegen. „Hey Ellen, wurde die Frühschicht vorverlegt?"

„Allerdings, aber Luca macht dir keine Vorwürfe, er hat dir nicht Bescheid gegeben, außerdem ist es ja nur eine halbe Stunde." Sie lächelt mich mit ihren fast schwarzen Augen an. Ellen arbeitete schon lange vor mir im Restaurant, sie hatte schon damals immer den Überblick über alles gehabt und eine tolle Arbeit geleistet, als sie mich eingearbeitet hatte. „Was hast du mit deinen Haaren gemacht?"

„Ich habe nicht daran gedacht, dass ich mir jetzt keinen Zopf mehr machen kann, als ich beim Friseur war", antworte ich, ein wenig zerknirscht. Ich bin Mary, denke ich mir, ich muss nicht zerknirscht sein.

„Ich mochte deine langen Haare so gerne, Madita. Aber, die Farbe ist ein Traum an dir. Auch wenn ich die rosa Klammern ein wenig außergewöhnlich an dir finde." Sie grinst. „Ab heute, Mary" gebe ich zurück.

„Wie bitte?"

„Ab heute heiße ich Mary!"

13. November 2022 07:32:33 0 Bericht Einbetten Follow einer Story
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Fortsetzung folgt… Neues Kapitel Alle 10 Tage.

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